Leben bewahren

Pressemitteilungen

Für uns ist jeden Tag Tierschutztag!

30.9.2013

„Leben bewahren“ heißt: Keine Tiere quälen und töten

Für uns ist jeden Tag Tierschutztag!
„Für uns ist jeden Tag Tierschutztag! Machen Sie mit!“ Mit diesem Aufruf wendet sich die Initiative „Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international“ anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober 2013 an die Öffentlichkeit. „Weshalb eigentlich soll nur ein Tag im Jahr Tierschutztag sein?“, fragt Dr. Johannes Hofer, Vorstandsmitglied des Vereins. „Weshalb nicht 365 Tage im Jahr? Wer sich vegetarisch ernährt, rettet in einem Jahr 150 Tieren das Leben, wer sich vegan-vegetarisch ernährt, sogar bis zu 200 Tieren.“ Und das sei gar nicht so schwer: „Schmackhafte Rezepte gibt es genügend, Einkaufsmöglichkeiten auch, und in fast jedem Restaurant gibt es inzwischen mindestens ein vegetarisches Gericht. Auch auf deftige oder exotische Geschmacksrichtungen braucht also niemand zu verzichten. Und wer den Tieren Leid erspart, hat dreifachen Gewinn, denn er hilft nicht nur den Tieren, er schont auch das Klima und tut seiner Gesundheit etwas Gutes.“

"Leben hat Vorrang vor Fleischessen!"

14.8.2013

Verzicht auf Nutztiere könnte vier Milliarden Menschen ernähren!

„Leben hat Vorrang vor Fleischessen!“

„Das ist eine Riesenchance – und wir sollten sie mit beiden Händen ergreifen und handeln, damit der weltweite Hunger endlich abgeschafft wird! Denn die Äcker dieser Erde können ohne Probleme heute schon bis zu vier Milliarden Menschen zusätzlich ernähren!“

Dr. Johannes Hofer, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international, verweist auf eine aktuelle Studie, die dies belegt. Für ihn ist klar: „Leben hat Vorrang vor Fleischessen. Jeder Mensch hat ein Recht auf Nahrung, das steht schon in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, Artikel 25. Dieses Recht ist im UN-Sozialpakt sogar völkerrechtlich verankert, auch Deutschland hat unterzeichnet. Wenn sich für Hunderte Millionen Menschen durch die Reduzierung unseres Fleischkonsums eine Chance eröffnet, endlich auch ausreichend zu essen zu haben, dann müssen wir handeln. Ganz abgesehen davon, dass damit gleichzeitig unendliches Tierleid und gewaltige klimaschädliche Emissionen verhindert werden. Es ist für mich völlig unverständlich, dass sich zahlreiche Spitzenpolitiker und Verbände hier wehren und sich in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt fühlen, wenn sie auf ein Steak verzichten sollen.“

Dr. Hofer verweist auf eine im August 2013 von Emily Cassidy und Kollegen (University of Minnesota in Saint Paul) veröffentlichte Studie (nachzulesen im Fachmagazin „Environmental Research Letters“ unter http://iopscience.iop.org/1748-9326/8/3/034015), wonach derzeit gerade einmal 67 Prozent der weltweit geernteten Nutzpflanzen zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden. 24 Prozent der Ernte werden demnach als Tierfutter verwendet. Das Ergebnis der Studie ist hochbrisant: Würde nämlich die gesamte Getreideernte für Nahrungsmittel verwendet und nicht mehr zu Futtermitteln für Nutztiere verarbeitet werden, könnten dadurch bis zu vier Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden – bei gleich bleibenden Anbauflächen.

Die Studie schlug in der Öffentlichkeit entsprechend hohe Wellen, zahlreiche Organisationen brachten bereits Vorschläge, wie man den derzeit sehr hohen Fleischkonsum in Deutschland reduzieren könnte: Fleischsteuer, Stickstoff-Überschussabgabe, Abschaffung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Fleischerzeugnisse, um nur einige zu nennen.
(http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/fleischkonsum-politisch-senken) Als eine Möglichkeit wurde von den Grünen die Einführung eines regelmäßigen „Veggie-Days“ in öffentlichen Kantinen vorgeschlagen. Allerdings solle dadurch niemand gezwungen werden, auf ein Stück Fleisch oder Wurst zu verzichten. Die Verbraucher würden aber auf diese Weise angeregt, sich mit dem Thema einer fleischfreien Ernährung näher zu beschäftigen. Die Tierrechtsorganisation PETA könnte sich sogar vorstellen, diese Idee auf alle sieben Wochentage auszuweiten. Wörtlich: „Denn mit jedem zusätzlichen Tag, an dem Kantinen bundesweit vegan kochen, wird Millionen Tieren das Leben gerettet.“ (http://www.umweltjournal.de/AfA_naturkost/20567.php). Außerdem werde damit ein wichtiger Beitrag zum Schutz des Weltklimas geleistet, das durch die weltweite Nutztierhaltung massiv gefährdet ist. Und nicht zuletzt sei es auch gesünder für den Körper.

Bei den Regierungsparteien CDU/CSU und FDP kam die Idee eines „Veggie Days“ allerdings gar nicht gut an. Auch Bundesernährungsministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte den Vorstoß. "Wir halten generell wenig von Bevormundungen", so ein Sprecher. Für Dr. Hofer ist das nicht nachvollziehbar: „Gerade Politiker der so genannten C-Parteien sollten doch mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn sie vorgeben, christlich zu handeln, sollten sie auch die Lehre von Jesus von Nazareth ernst nehmen. Das heißt, einander beizustehen und zu helfen und kein Lebewesen zu töten, also auch keine Tiere.“ Jean Ziegler, der frühere Sonderbeauftragte der UNO für das Recht auf Nahrung, habe es sogar noch wesentlich drastischer ausgedrückt: „... alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. 37.000 Menschen verhungern jeden Tag und fast eine Milliarde sind permanent schwerstens unterernährt. … Ein Kind, das am Hunger stirbt, wird ermordet.“ (nicht gehaltene Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 2011).

„Was muss denn noch alles geschehen, bis wir endlich reagieren?“, so Dr. Hofer. „Wie viele Beweise braucht es denn noch, um uns zu überzeugen? Hunger von Hunderten Millionen Menschen, unendliche Qualen für die Tiere, katastrophale Auswirkungen auf das Weltklima, ständige Zunahme von Krankheiten – es ist höchste Zeit! Leben hat Vorrang! Machen wir endlich Schluss, Fleisch zu essen!“

Leben die Jäger noch in der Steinzeit?

23.4.2013

Nach Strafanzeigen auf dem Rückzug

"Leben die Jäger noch in der Steinzeit?"

Die Jäger in Deutschland sind erkennbar in der Defensive. 2012 verneinte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Zwangsmitgliedschaft für Tierfreunde in einer Jagdgenossenschaft; das Jahr 2013 begann mit aufsehenerregenden Strafanzeigen gegen den Massenabschuss von Füchsen – und es hagelte Kritik. Nun erklären sich die Gegner der Tierfreunde, die Jäger, selbst zu „Anwälten des Wildes“. Ob Ihnen das noch jemand abnimmt?

Ausgerechnet der diesjährige bayerische Landesjägertag (20./21.4.13) wählte als Motto: „Wildtiere – Teil unserer Schöpfung“. Und der Sprecher des Landesjagdverbands, Thomas Schreder, bezeichnet die Jäger als „Anwälte des Wildes“ (Augsburger Allgemeine, 22.4.13). „Soll man da lachen oder weinen?“, fragt Dr. Johannes Hofer, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international. „Was stellen denn die Jäger mit diesem Teil unserer Schöpfung an? Meinen sie allen Ernstes, dass z.B. Tierkinder die Menschen, die aus reiner Lust ihre Mutter umbringen, als ihre Anwälte ansehen? Oder die ungezählten Tiere, die „nur“ angeschossen wurden und sich dann unter Qualen stunden- oder tagelang dahinschleppen, ehe sie elend verenden? Viele Jäger geben ja selbst zu, was sie im Innersten antreibt: die Lust am Töten.“

Offenbar sei dieser klägliche Versuch der Jäger, sich zu Natur- und Tierschützern zu stilisieren, ein Zeichen für die wachsende Verunsicherung von Menschen, die das Töten von Tieren als Hobby betreiben, so Hofer weiter. „Die Jäger sind erkennbar in der Defensive. Dies zeigte sich im Februar und März dieses Jahres, als in Nordhessen und Bayern revierübergreifende Fuchsmassaker stattfanden.“ Im Reinhardswald blieben 71 und im Spessart 92 Füchse auf der Strecke. Doch als die Jäger stolz ihre Beute präsentierten, hagelte es plötzlich Kritik in den Leserbriefspalten der Tageszeitungen. Die von den Jägern vorsorglich angeführten Rechtfertigungsversuche für diese Massentötungen wurden von empörten Lesern fachmännisch zerlegt: Eine Bejagung verringere den Bestand der Füchse nicht, weil wissenschaftlich längst erwiesen sei, dass diese den Bestand dann instinktiv durch höhere Geburtenraten wieder ansteigen lassen. Auch drohten keine Seuchen: Deutschland sei seit 2008 nachweislich tollwutfrei, und auch der Fuchsbandwurm sei nach aktuellen Erkenntnissen keine reale Gefahr. Die Räude, angeblich eine Bedrohung für Haustiere, könne nur durch Berührung übertragen werden, also wenn z.B. ein Jagdhund in einen Fuchsbau kriecht. Doch welcher normale Haushund mache so etwas?

Besonders alarmierend für die Jäger: Kritik kam auch aus den eigenen Reihen. Der Zoologe und Jäger Jochen Tamm sagte im Hessischen Fernsehen (Hessenschau, 1.4.13)): „Einfach nur töten ohne irgendeinen weiteren Grund außer sich vielleicht ne Trophäe an die Wand zu hängen oder einfach nur an dem eigenen Schießvermögen zu erfreuen, das reicht nicht aus, um ein höheres Lebewesen vom Leben zum Tod zu bringen.“ Auch Harald Kühlborn von der Unteren Jagdbehörde des Landkreises Kassel vertrat die Ansicht, „dass diese Art von Jagd etwas ist, worauf man nicht stolz sein kann.“ Tierschutzorganisationen erstatteten Strafanzeigen gegen beide Tiermassaker, weil nach dem Tierschutzgesetz (§17) für das Töten von Tieren ein „vernünftiger Grund“ vorliegen muss. Und dieser fehle hier.

Sogar die Deutsche Jagdzeitung muss inzwischen zugeben, dass in dieser Gesetzesvorschrift die Jagd nicht als Ausnahme genannt wird. Die Strafanzeigen hätten demnach sogar Aussicht auf Erfolg! Nun fordern die Jäger eine „Nachbesserung“. Doch bezeichnend sei, so Dr. Hofer, was in der Jagdzeitung (4/13) als „vernünftige Gründe“ für die Jagd genannt werde: Ernährung, warme Kleidung aus Fellen, Werkzeugherstellung aus Knochen ... „Da stellt sich doch die Frage: Leben die Jäger noch in der Steinzeit“?

Zwar habe der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg im Sommer 2013 unmissverständlich festgestellt, dass auch in Deutschland ein Tierfreund nicht gezwungen werden dürfe, die Jagd auf seinem Grundstück zu dulden, wenn er sie aus ethischen Gründen ablehne. Doch der Jagdlobby sei es gelungen, den Bundestag zu einer äußerst lückenhaften und halbherzigen „Anpassung“ des Jagdgesetzes an dieses Urteil zu drängen: „Den Grundstückseigentümern werden erhebliche Hürden in den Weg gelegt, die das Straßburger Urteil fast ad absurdum führen“, so der Jurist Dr. Hofer. Die Jäger fürchteten eine zunehmende Durchlöcherung ihres tierfeindlichen Reviersystems, das der Evolutionsbiologe Prof. Josef Reichholf als „Relikt aus der Feudalzeit“ ablehne. „Doch die Zeit arbeitet gegen die Jäger, denn die Zustimmung zur Jagd geht in der Bevölkerung immer weiter zurück. Immer mehr Menschen erfassen, dass die Jagd nicht mehr zeitgemäß ist. Sie gehört endlich abgeschafft.“

Deutliche Zuspitzung des Artensterbens befürchtet

18.4.2013

Deutliche Zuspitzung des Artensterbens befürchtet

„Wir handeln wie ahnungslose Tollpatsche“

„Wir Menschen sind das absolut schlimmste Raubtier, das jemals auf der Erde gelebt hat! Pardon, man müsste sagen: Gewütet hat! Alles Leben auf unserem Planeten haben wir unserem Nutzen unterworfen, wir ahnen nicht einmal ansatzweise, was das im Klartext bedeutet!“ Tierarzt Dr. Hansjörg Schilling, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international, reagierte sehr betroffen auf eine jüngst veröffentlichte Studie von Forschern rund um Prof. Stefan Dullinger von der Universität Wien.

Zum besseren Verständnis: Nach Untersuchungen der Weltnaturschutzunion IUCN aus dem Jahr 2012 sind von knapp 64.000 untersuchten Tier- und Pflanzenarten bereits fast 20.000 vom Aussterben bedroht, darunter über 40 Prozent der Amphibien, 25 Prozent der Säugetiere, 13 Prozent der Vögel und ein Fünftel aller Pflanzenarten.

Die Wissenschaftler um Prof. Dullinger befürchten nun, dass sich nach ihren jüngsten Forschungsergebnissen dieses ohnehin dramatische Artensterben in den nächsten Jahrzehnten noch deutlich zuspitzen wird. Weshalb? Weil sich viele fatale Einflüsse des Menschen erst nach Jahrzehnten bemerkbar machen. Was wir heute als akute Gefährdungssituationen erleben, hat seinen Ursprung also schon wesentlich früher, beispielsweise in der Entwicklung der Wirtschaft vor hundert Jahren. Und was wir heute der Natur in viel größerem Umfang antun als vor hundert Jahren, dessen Folgen kommen erst noch, so das Ergebnis dieser Studie, die im April 2013 im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlicht wurde (http://www.pnas.org/content/early/2013/04/10/1216303110). Fazit von Prof. Dullinger: „Die Zahl der gefährdeten Arten wird wohl deutlich unterschätzt.“ Früher weit verbreitete Pflanzenarten etwa gehen heute stark zurück, wobei die dafür verantwortlichen Ursachen wie starker Düngereinsatz oder Entwässerungsmaßnahmen bereits vor Jahrzehnten gesetzt wurden.

„Die Bedeutung dieser Ergebnisse ist noch kaum abzuschätzen“, so Dr. Schilling, „je mehr die Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen zurückgeht, umso schneller dreht sich die Abwärtsspirale, auch für uns Menschen. Wir handeln noch immer wie ahnungslose Tollpatsche, die glauben, sie hätten alles im Griff!“ Er erinnerte an eine gleichfalls im April 2013 im Magazin PNAS erschienene Studie der Universität Jena um Prof. Nico Eisenhauer (http://www.pnas.org/content/early/2013/03/29/1217382110), in der festgestellt wurde, dass sich dieser Verlust von Artenvielfalt auch massiv auf das Bodenleben auswirkt. Je weniger Pflanzenarten wachsen, desto weniger produktiv und vital ist auch der betreffende Boden, desto weniger Mikroorganismen leben in ihm. Die Verantwortung dafür trägt auch hier der Mensch, in erster Linie durch Umweltverschmutzung und Umwandlung natürlicher Lebensräume in industriell bearbeitete landwirtschaftliche Flächen.

„Es ist durchaus realistisch, dass viele Pflanzen und Tiere aussterben werden, bevor wir überhaupt wissen, warum es so gekommen ist. Was wir heute als Naturschutzstrategien betrachten, reicht hinten und vorne nicht. Wie wollen wir richtig reagieren, wenn wir von den Zusammenhängen in der Natur in Wirklichkeit noch kaum eine Ahnung haben?“, so Dr. Schilling wörtlich.

Die wahren Ursachen für die katastrophale Entwicklung sieht der Tierarzt in den ungezählten schweren Eingriffen in der Natur, zum einen dem direkten Töten und Ausrotten von Arten, zum anderen der Vernichtung von Lebensraum. Neben dem Raubbau an den natürlichen Ressourcen trägt für ihn aber besonders auch die „völlig naturfremde Landwirtschaft, bis hin zur Qualzucht von Tieren,“ einen gravierenden Anteil.

„Wir bewegen uns in der Natur in einem fein abgestimmten, sensiblen Ganzen wie gefühllose Monster, die aber gerade deshalb so gefährlich sind, weil sie überhaupt nicht wissen, was sie anrichten, die sich aber trotzdem weitgehend intelligenzfrei verhalten. Die Natur leidet meist, ohne dass wir es überhaupt wahrnehmen, sie zeigte aber bisher noch erstaunlich viel Toleranz uns gegenüber. Lange Zeit dachten wir deshalb, wir hätten alles im Griff, aber wenn das Gleichgewicht einmal kippt, gibt es kein Zurück mehr.“

„Trotzdem bin ich hundertprozentig davon überzeugt“, so Dr. Schilling weiter, „so wie jedes negative Tun irgendwann zur Wirkung kommt, auch wenn es Jahrzehnte dauert, genau so trägt alles, was wir heute positiv tun, auch seine Früchte. Jedes Tier, das ab heute nicht mehr im Schlachthof gemordet wird, jeder Baum, der heute gepflanzt wird, jedes Biotop, das neu entsteht, hilft, dass es morgen oder übermorgen wieder besser werden kann.“

Offener Brief Bundesrat - Änderung des Jagdrechts

6.3.2013

O f f e n e r B r i e f
an die Mitglieder des Bundesrates

Betr. Novellierung des Bundesjagdgesetzes -
Jägerlobby verhindert Anpassung an das Urteil des EGMR

Sehr geehrte Damen und Herren,

Deutschland wird mit der am 28.2.2013 im Bundestag „durchgewunkenen“ Änderung des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) den Vorgaben des EGMR-Urteils von 2012 nicht einmal ansatzweise gerecht. Sollte der Beschluss in dieser Form auch den Bundesrat passieren (voraussichtlich am 22.3.2013), konnten sich in Deutschland tatsächlich die Interessen der Jägerlobby ohne größeren Widerstand über Recht und Demokratie hinwegsetzen.

Viele namhafte Wissenschaftler und Tierschützer fordern schon längst eine generelle Abschaffung der Jagd. Auch in weiten Teilen der Bevölkerung hat die Jagd keinen Rückhalt mehr, da sie den Erfordernissen des Tier- und Naturschutzes völlig entgegensteht. Entgegen der Verpflichtung, die Interessen aller Bevölkerungsgruppen am gemeinsamen Naturerbe zu vertreten, wird nicht einmal das Urteil des EGMR so umgesetzt, wie es seinen Vorgaben entspricht.

Angesichts der Bedeutung und Komplexität der gestellten Aufgaben bedeutet der aktuelle Kniefall des Bundestags vor der Jägerlobby einen politischen Skandal und eine einzige Katastrophe für die bedrohte Tierwelt.

1. Der vorliegende Gesetzesentwurf dient ausschließlich den Interessen der Jägerlobby.

Laut Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.06.2012 (Fall „Herrmann“) darf ein Grundstückseigentümer in Deutschland nicht länger dazu gezwungen werden, Mitglied einer so genannten Jagdgenossenschaft zu sein, da dies gegen die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) verstößt. Mit der jetzt geplanten Novelle des BJagdG müsste Deutschland seiner Pflicht nachkommen, dieses Urteil umzusetzen und eine konventionskonforme Rechtslage herzustellen. Dies ist allerdings nicht der Fall.

Die bundesweite Initiative Zwangsbejagung ade, http://www.zwangsbejagung-ade.de/, hat gegenüber dem Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Bundestages eine schriftliche Stellungnahme zur geplanten, einseitig jägerfreundlichen Gesetzesnovelle abgegeben und diese auch an alle Bundestagsabgeordneten und Bundesratsmitglieder sowie die zuständigen Landesministerien gesandt. Ausführlich und in hervorragender Weise hat Rechtsanwalt Dominik Storr in dieser Stellungnahme die wesentlichen Mängel des Entwurfes zusammengefasst. Die Inhalte sind auf der angeführten Internetseite der Initiative nachzulesen.

Die öffentliche Anhörung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz am 20.2.2013 fand ohne Anhörung von unabhängigen Experten, von Vertretern von Tier- und Naturschutzverbänden sowie von verfassungsrechtlich versierten Juristen statt. Auch dazu hatte die bundesweite Initiative Zwangsbejagung ade eine klare Stellungnahme abgegeben.

Der gegenständliche Entwurf, der einzig den Interessen der Jägerlobby dient, wurde nun am 28.2.2013 ohne weitere Änderungen vom Bundestag beschlossen, eine Tragödie sowohl für den Rechtsstaat als auch für Natur und Tiere. Um ca. 22.29 Uhr wurde binnen wenig mehr als einer Minute die BJagdG-Novelle vom Bundestag verabschiedet. Zuvor waren innerhalb dieser Zeit die 2. und 3. Lesung des Entwurfes von einer Handvoll Abgeordneten „durchgezogen“ worden. Siehe dazu den nachstehenden Link - zu sehen ist der angeführte Vorgang ab ca. Stunde 13:28. http://www.bundestag.de/Mediathek/index.jsp?legislativePeriod=17&conference=225&action=search&instance=m187&categorie=Plenarsitzung&mask=search&destination=search&contentArea=details&isLinkCallPlenar=1

2. Das geltende Tierschutzgesetz und die Interessen der Allgemeinheit an zeitgemäßem Wild- und Naturschutz werden weiterhin missachtet.

Zwei Aspekte wiegen dabei besonders schwer:

a) Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen (§ 1 Tierschutzgesetz).

Es ist allgemein bekannt, dass Jäger ihre Tätigkeit nicht aus Gründen des Naturschutzes, der Hege und Pflege ausüben, sondern dass dieser Grund nur vorgeschoben ist. Der Jäger und Rechtsanwalt Dr. Florian Asche beispielsweise räumt in seinem vor einigen Monaten erschienenen Buch Jagen, Sex und Tiere essen: Die Lust am Archaischen (Melsungen 2012) mit den öffentlich vorgeschobenen Rechtfertigungen für die Jagd gründlich auf: Jäger als Ersatz für Großraubwild, als Bekämpfer von Wildschäden und Seuchen, als Naturschützer und Biotop-Pfleger, usw. Ein Jäger, der diese Gründe für die Jagd anführe, würde lügen, so der selbst jagende Rechtsanwalt. Er schreibt ganz offen:

„Wir jagen nicht, um das ökologische Gleichgewicht herzustellen. Zumindest ist das nicht das auslösende Motiv unserer Anstrengungen. Es ist nur eine Rechtfertigung für unsere Triebe und Wünsche, die viel tiefer gehen, als die Erfordernisse der Wildschadensvermeidung und des ökologischen Gleichgewichts. Deren Anforderungen regeln höchstens, wie wir jagen, nicht aber ob wir es tun.“ Und weiter: „Wir verwechseln zu gern die erfreulichen und wichtigen Begleiterscheinungen, die unser Tun rechtfertigen sollen, mit dessen wirklichen Gründen. Sex haben wir, weil er uns Lust und Genuss bereitet. Auf die Jagd gehen wir, weil sie uns Genuss und Lust bereitet.“

Dass er mit seiner Ansicht keinesfalls allein dasteht, zeigt (als ein Beispiel unter zahllosen anderen) die jüngste Massentötung von Füchsen im bayrischen Landkreis Main-Spessart (92 Füchse in der Zeit vom 20.1. bis 3.2.2013!) wegen angeblicher Seuchengefahr, obwohl Deutschland seit 2008 nach den internationalen Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit als tollwutfrei gilt. Abseits der offiziellen Version der Jäger ist die wahre Motivation allerdings eine ganz andere. Ein namentlich genannter Verantwortlicher der Kreisgruppe Lohr im Bayerischen Jagdverband äußerte sich folgendermaßen: „Es handelt sich hier um ein hochinteressantes, reizvolles Unterfangen. Es ist kalt, es liegt Schnee, der Mond scheint und man wartet ganz ruhig.“ (Mainpost 18.2.2013)

Der 2009 verstorbene Neurologe und mehrfach ausgezeichnete Psychoanalytiker, Schriftsteller und gleichfalls leidenschaftliche Jäger Dr. Paul Parin (Die Leidenschaft des Jägers. Erzählungen, Hamburg 2003) spricht die Wahrheit ganz direkt aus: „Alle erdenklichen (...) Argumente müssen herhalten, um die Jagd von jedem moralischen Makel freizusprechen. Und doch ist die Jagd der einzige normale Fall, bei dem das Töten zum Vergnügen wird.“

Seine Analyse deckt sich frappierend mit der Zielsetzung des bis heute geltenden Jagdrechts zum Zeitpunkt seiner Erlassung im Jahr 1934 durch Reichsjägermeister Hermann Göring. Nach seiner Auffassung habe die Jagd die Aufgabe, „den triebhaften Neigungen des wehrhaften deutschen Mannes Folge zu leisten“. Grundlegende Reformen hat es seither nicht gegeben. Mit Anstand, Ethik und Moral hat das alles allerdings nicht das Geringste zu tun, im Gegenteil.

§ 1 Tierschutzgesetz legt allerdings fest: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Es ist nicht davon auszugehen, dass es sich bei der von den Jägern selbst angeführten tieferen wahren Motivation für ihr Tun um solche vom Gesetz geforderten „vernünftigen Gründe“ handelt. Die Jagd widerspricht somit ganz eindeutig dem Tierschutzgesetz.

Angesichts der immensen Tragweite für Natur und Tiere, aber auch für die gesamte Gesellschaft, ist es nicht zu verantworten, dass die Menschenrechte des Grundgesetzes und der EMRK und die im Grundgesetz verankerten Staatsziele Tierschutz und Umweltschutz weiter der von Trieben gesteuerten Leidenschaft einer Minderheit und ihren vorgeschobenen Argumenten zum Opfer fallen sollen. Vom ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, ist folgendes Zitat überliefert: „Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit.“

b) Für die Jagd gibt es nicht die geringste wissenschaftliche Rechtfertigung.

Die geplante Gesetzesänderung ist allerdings noch aus einem weiteren Grund verfehlt und wird den Erfordernissen des Wild- und Naturschutzes in keiner Weise gerecht. Auch der Begriff „Hege“ (§ 1 BJagdG) wurde bekanntlich von den Nationalsozialisten benutzt, um ihren Herrenmenschenanspruch und ihre menschenverachtenden Doktrinen auch auf die Natur- und Tierwelt auszudehnen. Diese fragwürdige Tradition mit ihrer Trophäenorientierung gilt in Wahrheit bis heute. Das starre Festhalten an der Jagd widerspricht damit auch völlig den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft, sogar Jäger selbst geben das zu.

Es ist allgemein bekannt und in wissenschaftlichen Studien längst erwiesen, dass Wildtiere über einen inneren Mechanismus zur Regulierung des Populationswachstums verfügen. Bei Gefahr von Überbevölkerung wird die Geburtenrate gesenkt, Verluste (beispielsweise durch die Jagd) werden durch eine höhere Geburtenrate ausgeglichen. Dieser natürliche Mechanismus erklärt auch, warum in Deutschland seit Jahrzehnten die Wilddichte beispielsweise von Wildschweinen trotz immer stärkerer Bejagung mehr und mehr zunimmt. In Gebieten, wo die Jagd oft schon seit Jahrzehnten verboten ist, wie in den italienischen Nationalparks, im Schweizer Nationalpark oder auf der griechischen Insel Tilos, werden dem gegenüber bis heute keine übermäßigen Wildtierbestände festgestellt.

Die Jäger behaupten, das Wild würde im Fall wachsender befriedeter Flächen immer mehr Schaden in Land- und Forstwirtschaft verursachen, sie erzeugen mit dieser Behauptung Angst und Schrecken unter Bauern und Waldeigentümern. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt, die umliegenden Flächen werden in diesem Fall sogar entlastet: Der renommierte Münchner Zoologe Prof. Dr. Josef Reichholf erklärte im Bayerischen Fernsehen ("Unser Land" vom 16.11.2012) eindeutig, dass das Wild Ruhezonen vielmehr dringend braucht und diese die gefürchteten Wildschäden im Gegenteil sogar vermindern. Wörtlich sagte er: „Weniger Jagddruck, mehr Ruhezone, bedeutet für das Wild weniger Energieausgabe. Also muss es weniger Nahrung zu sich nehmen, weil es weniger herumwandern muss. Was es frisst, entnimmt es verstärkt der Ruhezone. Dadurch werden die angrenzenden Flächen eher entlastet als durch das Wild belastet.“

Es mag zwar im Interesse der Jäger liegen, von Jahr zu Jahr immer noch mehr Wild zu schießen und – wie sie vorgeben – damit angeblich dem Naturschutz zu dienen. Das Interesse der Allgemeinheit geht aber in eine andere Richtung. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es für die Jagd in Wirklichkeit keine Rechtfertigung. Prof. Carlo Consiglio, Ordinarius für Zoologie an der Universität Rom, wies in seinem Buch „Vom Widersinn der Jagd“ (Frankfurt 2001) wissenschaftlich fundiert nach, dass es für die Jagd insgesamt nicht die geringste wissenschaftliche Begründung gibt. Er widerlegte in seiner Untersuchung sämtliche Sachzwänge, mit denen Jäger ihr Tun und Handeln rechtfertigen wollen. In der bereits erwähnten Stellungnahme der Initiative Zwangsbejagung ade sind noch weitere wissenschaftliche Studien hervorragend zusammengefasst, nachzulesen unter http://www.zwangsbejagung-ade.de/, die alle zum selben Ergebnis kommen: Es gibt kein Argument für die Jagd.

Angesichts des großen Interesses der Allgemeinheit an Fragen des Natur- und Tierschutzes und der Zukunft unseres gemeinsamen Naturerbes ist es dringend geboten, die langjährigen Forschungsergebnisse vieler Experten nicht weiter zu ignorieren. Alle Argumente sprechen dafür, die Jagd in Deutschland generell abzuschaffen. Sogar Jäger selbst, wie der bereits erwähnte Dr. Florian Asche, wissen über die Möglichkeiten zur jagdfreien Regulierung des Wildbestandes: „Technisch machbar ist der Verzicht auf die Jagd allemal. Durch Großraubwild, Ovulationshemmer oder andere medizinische Regulative kann die Anzahl der Wildtiere so eingeschränkt werden, dass keine besonderen Wildschäden entstehen und dennoch kein Mensch mehr töten muss.“

3. Das System der Jagd in Form autonomer Selbstverwaltung unter staatlicher Aufsicht ist überholt, es wird den Herausforderungen der Zukunft nicht gerecht.

Deutschland mit seiner in weiten Gebieten gefährdeten Natur wird seiner Verantwortung beim Wild- und Naturschutz nicht gerecht. Die hochgesteckten Ziele der Biodiversität lassen sich ohne die generelle Abschaffung der Jagd nicht erreichen, alle Tatsachen beweisen das Gegenteil.

Als Beispiel, wie wichtig intakte und artenreiche Ökosysteme für das Überleben unserer Natur sind, sei an dieser Stelle stellvertretend die jüngste Studie des Biologen Eric Post von der Penn State University (US-Staat Pennsylvania) im renommierten Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“ vom Februar 2013, http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/280/1757/20122722, erwähnt. Nach den Untersuchungen des Wissenschaftlers bieten intakte und artenreiche Ökosysteme ihren Bewohnern eindeutig besseren Schutz vor den drohenden Auswirkungen des Klimawandels. Ist dies nicht der Fall, regieren die Pflanzen auf Wärme wesentlich empfindlicher und sind dementsprechend stärker gefährdet. Der Gesetzgeber verschließt bis heute seine Augen vor den Bedrohungen, die uns alle betreffen.

In Deutschland ist die Zukunft vieler Arten heute hochgradig bedroht, sogar Pflanzen- und Tierarten, die früher überall heimisch waren, sind gefährdet oder bereits vollständig verschwunden. Die Roten Listen werden immer länger, die Hälfte der Arten gilt heute als gefährdet. Es zeigt sich, dass die bisherigen Bemühungen im Bereich des Artenschutzes weitgehend erfolglos geblieben sind, trotz der Anstrengungen vieler Natur- und Tierschützer. Einer der Gründe ist darin zu sehen, dass die Jagd, nach der industriellen Landwirtschaft, heute der „Artenfeind Nr. 2“ ist. Das ist das ernüchternde Resümee von Prof. Dr. Josef Reichholf aus langjährigen Forschungen - das Gegenteil von dem, was seitens der Jäger behauptet wird. Die größte Artenvielfalt an Tieren findet sich heute in den großen Städten, wie Berlin, Hamburg oder München. In der freien Natur sind sie aufgrund des hohen Jagddruckes ganz oder teilweise verschwunden. (Die Zukunft der Arten – Neue ökologische Überraschungen, München, 2005).

Angesichts der Bedeutung und Komplexität der gestellten Aufgaben bedeutet der aktuelle Kniefall des Bundestags vor der Jägerlobby einen politischen Skandal und eine einzige Katastrophe für die bedrohte Tierwelt.

4. Zusammenfassung

Im deutschen Grundgesetz existiert kein verfassungsmäßig garantiertes Recht auf Jagd. Es ist aber gemäß Artikel 20a des Grundgesetzes die Aufgabe des Staates, in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere zu schützen, sei es durch Gesetzgebung oder Vollziehung.

Die Allgemeinheit darf zu Recht erwarten, dass ihre Interessen von den gewählten Volksvertretern angemessen gewürdigt und geschützt werden. Dies betrifft auch den Umgang der Politik mit Natur und Tieren. Prof. Dr. Josef H. Reichholf sagte zu diesem Thema: „Unsere Wildtiere sind großartig und wert genug, sich für sie einzusetzen. Das sind nun keineswegs nur typische Forderungen der Jäger. Es sind auch Erwartungen der Öffentlichkeit, ... Sie wird aber nicht gefragt, ob darin überhaupt und wenn ja, wie viel Wild leben soll und in welchem Umfang Wälder ohne forstwirtschaftliche Nutzung wachsen sollen. Das ergibt sich auch aus der Tatsache, dass sogar in den Millionenstädten Wildtiere von der Bevölkerung generell akzeptiert werden. So gibt es keine auch nur annähernd so massive Verfolgung der Stadtfüchse wie in Wald und Flur und es wird auch keine Wiederausrottung der in die Städte eingewanderten Wildschweine gefordert. Elche, die in die Vorstädte wandern, bestaunt man – und bei Rothirschen würde es sich sehr wahrscheinlich auch so verhalten.“ (Schriftenreihe des Bayerischen Jagdverbandes e.V., Band 13, S. 23)

Angesichts dieser hohen Verpflichtung gegenüber dem Gemeinwohl und der brennenden Herausforderungen für den Fortbestand unseres gemeinsamen Naturerbes bitten wir Sie, dem vorliegenden Gesetzesbeschluss des Bundestages über eine Änderung des BJagdG nicht zuzustimmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Gert Hetzel Dr. Johannes Hofer Dr. Hansjörg Schilling

Offener Brief - Änderung des Bundesjagdgesetzes

27.2.2013

O f f e n e r B r i e f
an die Abgeordneten des Bundestages

Betr. Novellierung des Bundesjagdgesetzes -
Jägerlobby verhindert Anpassung an das Urteil des EGMR

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Gesetzesentwurf des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zum Bundesjagdgesetz (BJagdG) sowie die öffentliche Anhörung im zuständigen Ausschuss des Bundestages am 20.2.2013 lassen befürchten, dass sich in Deutschland die Interessen der Jägerlobby über Recht und Demokratie problemlos hinwegsetzen können. Deutschland wird mit der geplanten Änderung des BJagdG den Vorgaben des EGMR-Urteils von 2012 nicht einmal ansatzweise gerecht.

Viele namhafte Wissenschaftler und Tierschützer fordern schon längst eine generelle Abschaffung der Jagd. Auch in weiten Teilen der Bevölkerung hat die Jagd keinen Rückhalt mehr, da sie den Erfordernissen des Tier- und Naturschutzes völlig entgegensteht. Aber nicht einmal das Urteil des EGMR wird so umgesetzt, wie es seinen Vorgaben entspricht.

1. Der vorliegende Gesetzesentwurf dient ausschließlich den Interessen der Jägerlobby.

Laut Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.06.2012 (Fall „Herrmann“) darf ein Grundstückseigentümer in Deutschland nicht länger dazu gezwungen werden, Mitglied einer so genannten Jagdgenossenschaft zu sein, da dies gegen die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) verstößt. Mit der jetzt geplanten Novelle des BJagdG müsste Deutschland seiner Pflicht nachkommen, dieses Urteil umzusetzen und eine konventionskonforme Rechtslage herzustellen. Dies ist allerdings nicht der Fall.

Die bundesweite Initiative Zwangsbejagung ade, http://www.zwangsbejagung-ade.de/, hat gegenüber dem Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Bundestages eine schriftliche Stellungnahme zur geplanten, einseitig jägerfreundlichen Gesetzesnovelle abgegeben und diese auch an alle Bundestagsabgeordneten und Bundesratsmitglieder sowie die zuständigen Landesministerien gesandt. Ausführlich und in hervorragender Weise hat Rechtsanwalt Dominik Storr in dieser Stellungnahme die wesentlichen Mängel des Entwurfes zusammengefasst. Die Inhalte sind auf der angeführten Internetseite der Initiative nachzulesen.

Die öffentliche Anhörung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz am 20.2.2013 fand ohne Anhörung von unabhängigen Experten, von Vertretern von Tier- und Naturschutzverbänden sowie von verfassungsrechtlich versierten Juristen statt. Sollte der gegenständliche Entwurf, der einzig den Interessen der Jägerlobby dient, tatsächlich so beschlossen werden, wäre das eine Tragödie, sowohl für den Rechtsstaat, als auch für Natur und Tiere. Auch dazu hat die bundesweite Initiative Zwangsbejagung ade, http://www.zwangsbejagung-ade.de/, eine klare Stellungnahme abgegeben.

2. Das geltende Tierschutzgesetz und die Interessen der Allgemeinheit an zeitgemäßem Wild- und Naturschutz werden weiterhin missachtet.

Zwei Aspekte wiegen dabei besonders schwer:

a) Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen (§ 1 Tierschutzgesetz).

Es ist allgemein bekannt, dass Jäger ihre Tätigkeit nicht aus Gründen des Naturschutzes, der Hege und Pflege ausüben, sondern dass dieser Grund nur vorgeschoben ist. Der Jäger und Rechtsanwalt Dr. Florian Asche beispielsweise räumt in seinem vor einigen Monaten erschienenen Buch Jagen, Sex und Tiere essen: Die Lust am Archaischen (Melsungen 2012) mit den öffentlich vorgeschobenen Rechtfertigungen für die Jagd gründlich auf: Jäger als Ersatz für Großraubwild, als Bekämpfer von Wildschäden und Seuchen, als Naturschützer und Biotop-Pfleger, usw. Ein Jäger, der diese Gründe für die Jagd anführe, würde lügen, so der selbst jagende Rechtsanwalt. Er schreibt ganz offen:

„Wir jagen nicht, um das ökologische Gleichgewicht herzustellen. Zumindest ist das nicht das auslösende Motiv unserer Anstrengungen. Es ist nur eine Rechtfertigung für unsere Triebe und Wünsche, die viel tiefer gehen, als die Erfordernisse der Wildschadensvermeidung und des ökologischen Gleichgewichts. Deren Anforderungen regeln höchstens, wie wir jagen, nicht aber ob wir es tun.“ Und weiter: „Wir verwechseln zu gern die erfreulichen und wichtigen Begleiterscheinungen, die unser Tun rechtfertigen sollen, mit dessen wirklichen Gründen. Sex haben wir, weil er uns Lust und Genuss bereitet. Auf die Jagd gehen wir, weil sie uns Genuss und Lust bereitet.“

Dass er mit seiner Ansicht keinesfalls allein dasteht, zeigt (als ein Beispiel unter zahllosen anderen) die jüngste Massentötung von Füchsen im bayrischen Landkreis Main-Spessart (92 Füchse in der Zeit vom 20.1. bis 3.2.2013!) wegen angeblicher Seuchengefahr, obwohl Deutschland seit 2008 nach den internationalen Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit als tollwutfrei gilt. Abseits der offiziellen Version der Jäger ist die wahre Motivation allerdings eine ganz andere. Ein namentlich genannter Verantwortlicher der Kreisgruppe Lohr im Bayerischen Jagdverband äußerte sich folgendermaßen: „Es handelt sich hier um ein hochinteressantes, reizvolles Unterfangen. Es ist kalt, es liegt Schnee, der Mond scheint und man wartet ganz ruhig.“ (Mainpost 18.2.2013)

Der 2009 verstorbene Neurologe und mehrfach ausgezeichnete Psychoanalytiker, Schriftsteller und gleichfalls leidenschaftliche Jäger Dr. Paul Parin (Die Leidenschaft des Jägers. Erzählungen, Hamburg 2003) spricht die Wahrheit ganz direkt aus: „Alle erdenklichen (...) Argumente müssen herhalten, um die Jagd von jedem moralischen Makel freizusprechen. Und doch ist die Jagd der einzige normale Fall, bei dem das Töten zum Vergnügen wird.“

Seine Analyse deckt sich frappierend mit der Zielsetzung des bis heute geltenden Jagdrechts zum Zeitpunkt seiner Erlassung im Jahr 1934 durch Reichsjägermeister Hermann Göring. Nach seiner Auffassung habe die Jagd die Aufgabe, „den triebhaften Neigungen des wehrhaften deutschen Mannes Folge zu leisten“. Grundlegende Reformen hat es seither nicht gegeben. Mit Anstand, Ethik und Moral hat das alles allerdings nicht das Geringste zu tun, im Gegenteil.

§ 1 Tierschutzgesetz legt allerdings fest: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Es ist nicht davon auszugehen, dass es sich bei der von den Jägern selbst angeführten tieferen wahren Motivation für ihr Tun um solche vom Gesetz geforderten „vernünftigen Gründe“ handelt. Die Jagd widerspricht somit ganz eindeutig dem Tierschutzgesetz.

Angesichts der immensen Tragweite für Natur und Tiere, aber auch für die gesamte Gesellschaft, ist es nicht zu verantworten, dass die Menschenrechte des Grundgesetzes und der EMRK und die im Grundgesetz verankerten Staatsziele Tierschutz und Umweltschutz weiter der von Trieben gesteuerten Leidenschaft einer Minderheit und ihren vorgeschobenen Argumenten zum Opfer fallen sollen. Vom ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, ist folgendes Zitat überliefert: „Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit.“

b) Für die Jagd gibt es nicht die geringste wissenschaftliche Rechtfertigung.

Die geplante Gesetzesänderung ist allerdings noch aus einem weiteren Grund verfehlt und wird den Erfordernissen des Wild- und Naturschutzes in keiner Weise gerecht. Auch der Begriff „Hege“ (§ 1 BJagdG) wurde bekanntlich von den Nationalsozialisten benutzt, um ihren Herrenmenschenanspruch und ihre menschenverachtenden Doktrinen auch auf die Natur- und Tierwelt auszudehnen. Diese fragwürdige Tradition mit ihrer Trophäenorientierung gilt in Wahrheit bis heute. Das starre Festhalten an der Jagd widerspricht damit auch völlig den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft, sogar Jäger selbst geben das zu.

Es ist allgemein bekannt und in wissenschaftlichen Studien längst erwiesen, dass Wildtiere über einen inneren Mechanismus zur Regulierung des Populationswachstums verfügen. Bei Gefahr von Überbevölkerung wird die Geburtenrate gesenkt, Verluste (beispielsweise durch die Jagd) werden durch eine höhere Geburtenrate ausgeglichen. Dieser natürliche Mechanismus erklärt auch, warum in Deutschland seit Jahrzehnten die Wilddichte beispielsweise von Wildschweinen trotz immer stärkerer Bejagung mehr und mehr zunimmt. In Gebieten, wo die Jagd oft schon seit Jahrzehnten verboten ist, wie in den italienischen Nationalparks, im Schweizer Nationalpark oder auf der griechischen Insel Tilos, werden dem gegenüber bis heute keine übermäßigen Wildtierbestände festgestellt.

Die Jäger behaupten, das Wild würde im Fall wachsender befriedeter Flächen immer mehr Schaden in Land- und Forstwirtschaft verursachen, sie erzeugen mit dieser Behauptung Angst und Schrecken unter Bauern und Waldeigentümern. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt, die umliegenden Flächen werden in diesem Fall sogar entlastet: Der renommierte Münchner Zoologe Prof. Dr. Josef Reichholf erklärte im Bayerischen Fernsehen ("Unser Land" vom 16.11.2012) eindeutig, dass das Wild Ruhezonen vielmehr dringend braucht und diese die gefürchteten Wildschäden im Gegenteil sogar vermindern. Wörtlich sagte er: „Weniger Jagddruck, mehr Ruhezone, bedeutet für das Wild weniger Energieausgabe. Also muss es weniger Nahrung zu sich nehmen, weil es weniger herumwandern muss. Was es frisst, entnimmt es verstärkt der Ruhezone. Dadurch werden die angrenzenden Flächen eher entlastet als durch das Wild belastet.“

Es mag zwar im Interesse der Jäger liegen, von Jahr zu Jahr immer noch mehr Wild zu schießen und – wie sie vorgeben – damit angeblich dem Naturschutz zu dienen. Das Interesse der Allgemeinheit geht aber in eine andere Richtung. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es für die Jagd in Wirklichkeit keine Rechtfertigung. Prof. Carlo Consiglio, Ordinarius für Zoologie an der Universität Rom, wies in seinem Buch „Vom Widersinn der Jagd“ (Frankfurt 2001) wissenschaftlich fundiert nach, dass es für die Jagd insgesamt nicht die geringste wissenschaftliche Begründung gibt. Er widerlegte in seiner Untersuchung sämtliche Sachzwänge, mit denen Jäger ihr Tun und Handeln rechtfertigen wollen. In der bereits erwähnten Stellungnahme der
Initiative Zwangsbejagung ade sind noch weitere wissenschaftliche Studien hervorragend zusammengefasst, nachzulesen unter http://www.zwangsbejagung-ade.de/, die alle zum selben Ergebnis kommen: Es gibt kein Argument für die Jagd.

Angesichts des großen Interesses der Allgemeinheit an Fragen des Natur- und Tierschutzes und der Zukunft unseres gemeinsamen Naturerbes ist es dringend geboten, die langjährigen Forschungsergebnisse vieler Experten nicht weiter zu ignorieren. Alle Argumente sprechen dafür, die Jagd in Deutschland generell abzuschaffen. Sogar Jäger selbst, wie der bereits erwähnte Dr. Florian Asche, wissen über die Möglichkeiten zur jagdfreien Regulierung des Wildbestandes: „Technisch machbar ist der Verzicht auf die Jagd allemal. Durch Großraubwild, Ovulationshemmer oder andere medizinische Regulative kann die Anzahl der Wildtiere so eingeschränkt werden, dass keine besonderen Wildschäden entstehen und dennoch kein Mensch mehr töten muss.“

3. Das System der Jagd in Form autonomer Selbstverwaltung unter staatlicher Aufsicht ist überholt, es wird den Herausforderungen der Zukunft nicht gerecht.

Deutschland mit seiner in weiten Gebieten gefährdeten Natur wird seiner Verantwortung beim Wild- und Naturschutz nicht gerecht. Die hochgesteckten Ziele der Biodiversität lassen sich ohne die generelle Abschaffung der Jagd nicht erreichen, alle Tatsachen beweisen das Gegenteil.

Als Beispiel, wie wichtig intakte und artenreiche Ökosysteme für das Überleben unserer Natur sind, sei an dieser Stelle stellvertretend die jüngste Studie des Biologen Eric Post von der Penn State University (US-Staat Pennsylvania) im renommierten Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“ vom Februar 2013, http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/280/1757/20122722, erwähnt. Nach den Untersuchungen des Wissenschaftlers bieten intakte und artenreiche Ökosysteme ihren Bewohnern eindeutig besseren Schutz vor den drohenden Auswirkungen des Klimawandels. Ist dies nicht der Fall, regieren die Pflanzen auf Wärme wesentlich empfindlicher und sind dementsprechend stärker gefährdet. Der Gesetzgeber verschließt bis heute seine Augen vor den Bedrohungen, die uns alle betreffen.

In Deutschland ist die Zukunft vieler Arten heute hochgradig bedroht, sogar Pflanzen- und Tierarten, die früher überall heimisch waren, sind gefährdet oder bereits vollständig verschwunden. Die Roten Listen werden immer länger, die Hälfte der Arten gilt heute als gefährdet. Es zeigt sich, dass die bisherigen Bemühungen im Bereich des Artenschutzes weitgehend erfolglos geblieben sind, trotz der Anstrengungen vieler Natur- und Tierschützer. Einer der Gründe ist darin zu sehen, dass die Jagd, nach der industriellen Landwirtschaft, heute der „Artenfeind Nr. 2“ ist. Das ist das ernüchternde Resümee von Prof. Dr. Josef Reichholf aus langjährigen Forschungen - das Gegenteil von dem, was seitens der Jäger behauptet wird. Die größte Artenvielfalt an Tieren findet sich heute in den großen Städten, wie Berlin, Hamburg oder München. In der freien Natur sind sie aufgrund des hohen Jagddruckes ganz oder teilweise verschwunden. (Die Zukunft der Arten – Neue ökologische Überraschungen, München, 2005).

Angesichts der Bedeutung und Komplexität der gestellten Aufgaben bedeutet der aktuelle Kniefall des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vor der Jägerlobby einen politischen Skandal und eine einzige Katastrophe für die bedrohte Tierwelt.

Pferd nein - Rind ja, ist das nicht schizophren?

19.2.2013

Hört auf, Fleisch zu essen!

„Natürlich müssen Lebensmittel richtig deklariert werden, aber warum jetzt diese regelrechte Hysterie um falsch deklariertes Pferdefleisch? Werden hier nicht schizophrene Züge unserer Gesellschaft sichtbar? Besteht der eigentliche Skandal nicht darin, dass wir zwar keine Pferde, Hunde und Katzen essen wollen, andere Tiere aber schon?“

So kommentierte Tierarzt Dr. Hansjörg Schilling, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international, den aktuellen EU-weiten Pferdefleischskandal.

„Wo liegt denn hier der Unterschied? Schweine, Rinder, Hühner, Schafe, Enten und alle anderen so genannten „Nutztiere“ sind genauso feinfühlende, edle Tiere wie Pferde. Auch diese Tiere freuen sich, wenn wir Menschen ihnen liebevoll begegnen. Auch sie kann man streicheln, nicht nur Pferde, Hunde oder Katzen. Alle Tiere haben Charakter und Persönlichkeit, sie alle haben ein Recht auf Leben und Freiheit! Nicht nur bei Pferden sollten wir aufschreien, wenn es darum geht, Fleisch zu essen!"

Rind ja, Pferd nein – die Suche nach illegal verarbeitetem Pferdefleisch beschäftigt derzeit die Behörden in ganz Europa. Französische Produzenten hatten offensichtlich Pferdefleisch illegal als Rindfleisch deklariert und weiterverkauft. Im Eilzugstempo verbreitete sich der Skandal von Großbritannien über die EU, jetzt sollen groß angelegte Gentests in allen Mitgliedsstaaten die heimlich untergeschobenen Fleischbrocken entlarven. Europol wurde eingeschaltet, man spricht von kriminellen Banden und der Spitze eines Eisbergs – ein riesiger Fleischskandal könnte sich abzeichnen.

Den eigentlichen Skandal sieht Hansjörg Schilling allerdings nicht im undeklarierten Pferdefleisch: „Es lässt sich für mich nicht in Worten ausdrücken, wie erbärmlich und charakterlos wir uns den Tieren gegenüber benehmen. Das millionenfache Leid aller anderen gequälten und geschlachteten Tiere lässt uns offensichtlich völlig kalt, und wir regen uns nur darüber auf, wenn die Täter durch Falschdeklaration eines Teils ihrer Opfer ihren Profit noch erhöhen. Wenn man den Tätern wirklich erfolgreich das Handwerk legen will, sollte man das Geld, statt Millionen für die geplanten Gentests auszugeben, lieber zur Verbesserung des Tierschutzes investieren und vor allem die jüngsten Ereignisse zum Anlass nehmen, mit dem Fleischessen ganz Schluss zu machen!“

Verkommt Deutschland zur Bananen-Republik?

10.1.2013

„Jagd ist hinterlistige Tötung und sonst nichts!“

„Eine schallende Ohrfeige für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und für alle aufrechten Bürger, die in Deutschland noch an ethische und demokratische Werte glauben. Es ist noch schlimmer, als wir befürchteten“, so bezeichnete Dr. Johannes Hofer, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international, den vorliegenden Gesetzesentwurf zur Änderung des Jagdrechts.

Zur Erinnerung: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat mit Urteil vom 26.6.2012 verbindlich festgestellt, dass ein Grundstückseigentümer in Deutschland nicht mehr dazu gezwungen werden darf, wie bisher Mitglied einer so genannten Jagdgenossenschaft sein zu müssen. Die damit verbundene Pflicht, die Ausübung der Jagd durch Dritte auf seinem Grundstück trotz entgegenstehender ethischer Motive dulden zu müssen, verstößt gegen Artikel 1 Protokoll Nr. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention. Dieses Urteil muss nun ohne Abstriche in nationales Recht umgesetzt werden. Dementsprechend heißt es zur jetzt vorliegenden Gesetzesänderung in der Mitteilung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 19.12.2012 wörtlich: „Die Bundesrepublik Deutschland hat als Unterzeichnerstaat der Menschenrechtskonvention die Pflicht, das Urteil umzusetzen und eine konventionskonforme Rechtslage herzustellen.“

Im Entwurf des Ministeriums sind aber faktisch eine ganze Reihe von Hindernissen eingebaut, die ein Antragsteller erst überwinden muss, wenn er sein Recht auf Ruhen der Jagd in Anspruch nehmen möchte: Es geht dabei unter anderem um die Widerstände der Nachbarn, die Berücksichtigung finden sollen, es geht um die angebliche Gefahr drohender Wildseuchen, um den durch eine Befriedung eventuell gefährdeten Schutz von Land- Forst- und Fischereiwirtschaft samt zugehöriger Schadenersatzforderungen; eine Wartezeit von bis zu neun Jahren bis zum Ablauf des Pachtvertrags kann möglich sein. Im Falle von Treibjagden soll die Ausübung der Jagd auch gegen den Widerstand des Eigentümers erlaubt bleiben. Sogar eine zwangsweise behördliche Anordnung der Jagd auf Rechnung des Eigentümers ist vorgesehen.

„In geradezu scheinheiliger Weise werden diese Stolpersteine für den verfassungsmäßig garantierten Gewissensschutz der Bürger in einem Gesetzentwurf versteckt“, so Dr. Hofer, „der offenbar über die Köpfe der ahnungslosen Bundestagsabgeordneten hinweg durch den Bundestag gepresst werden soll. Dreister und zynischer geht es wohl nicht mehr, noch offensichtlicher hätte man die Interessen der Jägerlobby gar nicht bedienen können. Hier kann man nicht mehr von einem Kniefall vor der Jägern sprechen, hier handelt es sich um einen klassischen Kotau, den die verantwortlichen Politiker, allen voran Frau Ministerin Aigner, hingelegt haben. Sollte dieser Entwurf tatsächlich so beschlossen werden, wäre das eine Tragödie für den Rechtsstaat, vor allem aber für die Wildtiere!“

Die Vorgangsweise der Landwirtschaftsministerin findet er umso skandalöser, als Ilse Aigner Angehörige einer Partei ist, die das „C“ ganz vorne in ihrem Namen trägt und damit vorgibt, die Lehre des Jesus von Nazareth zu erfüllen. „Nicht nur, dass es im krassen Gegensatz zur friedvollen Lehre Jesu steht, andere Lebewesen mutwillig zu töten, man bemüht sich nicht einmal darum, das zu verbergen, geschweige denn, daran etwas zu ändern!“

„Der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, beschrieb das wahre Wesen der Jagd ja bereits vor Jahrzehnten sehr drastisch“, so Tierarzt Dr. Hansjörg Schilling zum Ministerentwurf, „von ihm ist folgende Aussage überliefert: ‚Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit.’ Genau so ist es, erst vor wenigen Tagen sind laut Medienberichten zwei Wildschweine in Neubrunn bei Würzburg auf der Flucht vor Jägern auf die Dachterrasse eines zweistöckigen Hauses gerannt, wo sie dann erschossen wurden. Die Anwohner hatten Glück, sie kamen mit dem Schrecken davon.“

Und er ergänzt: „Wo soll ein solches irrwitziges Jägerverhalten noch hinführen? Deutschland ist auf dem besten Weg, zu einer Bananen-Republik zu verkommen, wo jede Lobby tun kann, was sie will, und das Volk nichts zu sagen hat. Wenn man ernsthaft beginnen würde, das blutige Hobby Jagd objektiv zu beleuchten, würde sich sofort herausstellen, dass diese für Natur und Tiere völlig unnötig und kontraproduktiv ist. Das starre Festhalten an der Jagd widerspricht völlig den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft, sogar Jäger selbst geben das zu. Wie viele namhafte Fachleute sollen das denn noch bestätigen, bis die Politiker endlich aufwachen: Jagd ist hinterlistige Tötung des arg- und wehrlosen Mitgeschöpfes und sonst nichts!“

Wie lange wollen wir uns noch etwas vormachen?

8.1.2013

„Fleischerzeugung“ bedeutet immer Tierleid, ausnahmslos!"

„Genau so ist es, aus eigener Erfahrung kann ich diese schrecklichen Zustände nur bestätigen!“ so kommentierte Tierarzt Dr. Hansjörg Schilling, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international, den Artikel „Ihr Schweinelein kommet“ von Hilal Sezgin in der Berliner Zeitung vom 3.12.2012, http://www.berliner-zeitung.de/kultur/unterm-strich-ihr-schweinelein-kommet,10809150,21027960.html. Die Autorin beschreibt darin das trostlose Leben von Mastschweinen: ohne Wiese, ohne Stroh, ohne Wühlen in der Erde, sogar ohne Licht.

„Egal, wie man es dreht und wendet, ob in der Massentierhaltung, wie in den allermeisten Fällen, oder in kleinen Ställen: Es gibt keine Tiere, die unter tierwürdigen Umständen ihr kurzes Leben genießen, bevor sie dann freudig zum Schlachter laufen.“ so der langjährige Tierarzt. „Wie lange wollen wir uns noch etwas vormachen, wenn wir meinen, dass Wohl und Würde der Tiere in der ‚Nutztierhaltung’ tatsächlich beachtet werden? Ebenso wenig wie der Mensch empfindet es ein Tier als ‚freundlich’, eingesperrt und geschlachtet zu werden.“

Angesprochen auf die Schaffung neuer so genannter Tierschutz-Labels, betreffend die Haltung und Schlachtung von Masttieren: „Offensichtlich wollen wir noch immer belogen werden. Ein Siegel, das uns garantieren könnte, dass das Fleisch, das wir essen, von einem Tier stammt, das sich darüber gefreut hat, eingesperrt und im Baby- oder Kindesalter geschlachtet zu werden, gibt es nicht. Auch wenn das Wort ‚Fleischerzeugung’ das zu verdecken sucht: Es geht immer um mehr oder weniger Qual und Leid eines Lebewesens. Kein Siegel kann uns das schlechte Gewissen nehmen.“

Die verfehlte Tierschutzgesetznovelle 2012

14.12.2012

„Haben Tiere für Politiker keinen Wert?“

„Können sich Politiker so irren oder wollen sie die Wirklichkeit einfach nicht sehen?“ Diese Frage stellte Tierarzt Dr. Hansjörg Schilling, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international, anlässlich des Beschlusses im deutschen Bundestag am 13.12.2012 über die Novellierung des Tierschutzgesetzes. Er erinnere sich noch, wie Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner vor einigen Monaten im Rückblick auf zehn Jahre Tierschutz im Grundgesetz von einem gesellschaftlichen Umdenken gegenüber dem millionenfachen Tierleid sprach: „Heute ist das Tierwohl eine wichtige Messlatte für ethisches Handeln und wirtschaftliche Entscheidungen.“, so die Ministerin damals wörtlich, laut taz vom 16.5.2012.

„Rückblickend gesehen ist dieser Satz nicht einmal das Papier wert, auf dem er steht,“ so Dr. Schilling, „wenn ich mir vor Augen halte, was auf die Tiere auch nach den letzten Änderungen im Tierschutzgesetz weiter zukommt.“ Nicht einmal das Wenige, was im Ministerentwurf noch angekündigt war, sei erreicht worden. Obwohl die Bevölkerung auf Tierleid wesentlich sensibler reagiere als früher und immer mehr Menschen beispielsweise die Massentierhaltung ablehnen, bewege sich der gesetzliche Tierschutz kaum vorwärts. „Die verantwortlichen Politiker hinken oft unglaublich hinterher, die Interessen der Agrarlobby sind ihnen offensichtlich noch immer am wichtigsten, das Leid der Tiere spielt lediglich eine untergeordnete Rolle.“

Es gebe zahllose Beispiele, auch bei der noch immer fehlenden, längst überfälligen Verordnung für das Halten von Puten sei die Bundesregierung weiterhin untätig und habe den Ball einfach den Behörden vor Ort zurückgespielt oder begnüge sich mit freiwilligen Vereinbarungen. Er jedenfalls setze seine Hoffnung auf die Menschen, die einfach nicht mehr wollen, dass in Deutschland noch bis 2019 jedes Jahr 20 Millionen männliche Ferkel ohne Betäubung kastriert werden dürfen oder Puten auch weiterhin unter qualvollsten Bedingungen dahinvegetieren. Dr. Schilling wörtlich: „Der Konsument hat es in der Hand, er entscheidet, ob der Tierschutz noch länger missachtet wird, indem er solche Produkte einfach nicht mehr kauft. Und wer auf Nummer sicher gehen möchte, dass kein Tier mehr auf seine Kosten leiden muss, hört mit dem Fleischessen ganz auf, am besten gleich zu Weihnachten.“



Tierleid – von der Kirche abgesegnet

9.11.2012

„Lasst die Gänse leben!“

„Man stelle sich vor, am Ende eines jeden Jahres verschwinden sämtliche Einwohner Baden-Württembergs von der Bildfläche. Das ist genau das zahlenmäßige Ausmaß der Katastrophe, die der Mensch jedes Jahr allein in Deutschland unter den Gänsen anrichtet.“ Der Tierarzt Dr. Hansjörg Schilling, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international, rechnet es vor: „Rund zehn Millionen Gänse landen jedes Jahr zwischen November und Weihnachten auf deutschen Tellern – kluge, empfindsame und äußerst soziale Tiere, die in Einehe leben und bis zu 20 Jahre alt werden können. In deutschen oder polnischen Ställen bekommen sie jedoch, je nach Haltungsart, schon nach drei oder sechs Monaten einen Schlag mit dem Knüppel auf den Kopf und gleich anschießend einen Stich in den Hals.“

Besonders empörend und scheinheilig sei es, diese Mordaktion an fühlenden Mitgeschöpfen auch noch mit religiöser „Tradition“ zu „begründen“, besser gesagt zu verbrämen, so der Tierarzt weiter. „Der alte germanische Herbst-Schlachttag (und mittelalterliche Abgabentag) Anfang November wird bis heute im Namen des ‚heiligen Martin’ weitergeführt und die Gans zur ‚Martinsgans’ erklärt. Die Kirchen haben schon immer dem unbegrenzten Töten von Tieren ihren Segen erteilt.“ Besonders absurd und zynisch sei der dreiste Rechtfertigungsversuch des herbstlichen Tiermassakers durch die Aussage, Gänse hätten Martins Aufenthaltsort durch ihr Geschnatter „verraten“ und müssten nun dafür „bestraft“ werden, das heißt, mit dem Leben bezahlen, und das in alle Ewigkeit!

„Der 11. November läutet alle Jahre wieder ein unvorstellbares Schlachten an den Tieren ein. Sogar vor dem Weihnachtsfest, dem Fest der Geburt des Jesus von Nazareth, der doch nicht zufällig unter den Tieren zur Welt kam, macht die Grausamkeit der kirchlichen Traditions-Rechtfertiger nicht Halt. Gerade die großen Feiertage sind zu den größten Schlachttagen und zu Schreckenstagen für die so genannten ‚Nutztiere’ verkommen. Wer ein Herz für die Tiere hat und erst recht, wer die Ethik und Moral des Nazareners ernst nimmt, der wendet sich von solch blutigen Traditionen ab und greift zu schmackhaften vegetarischen Alternativen, also ohne Tierleid. Deshalb der Appell: Bereitet den Gänsen einen Festtag – indem ihr sie leben lasst!“

Die Politik spielt auf Zeit

6.11.2012

„Jagd ist eine Gewissensfrage!“

„Es ist ein Skandal. Da hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ein eindeutiges Urteil gefällt – doch die Politik spielt schon seit Monaten auf Zeit. Dabei müssten die Behörden jetzt ohne Zögern handeln und den Grundstückseigentümern, die auf ihren Grundstücken keine Jagd mehr wollen, umgehend zu ihrem Recht verhelfen.“

Für Dr. Johannes Hofer, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international, ist diese Verzögerungstaktik allerdings kein Zufall: „Die Jägerlobby hat in Politik und Behörden noch immer enormen Einfluss, und für sie ist die Lust am Schießen auf wehrlose Mitgeschöpfe anscheinend wichtiger als die Menschenrechte von Grundstückseigentümern, die dieses Treiben auf ihrem Grund und Boden nicht dulden wollen.“

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hatte am 26. Juni 2012 entschieden, dass ein Grundstückseigentümer auch in Deutschland nicht gezwungen werden darf, auf seinem Grundstück die Jagd zu dulden, wenn er diese aus ethischen Gründen ablehnt. Seitdem haben sich bereits zahlreiche Grundstückseigentümer bei den Behörden gemeldet, die es ebenso halten wollen. Doch sie werden vertröstet. „Die Jagdbehörden könnten für solche Grundstücke je nach landesrechtlicher Regelung entweder sofort das Ruhen der Jagd anordnen oder sie zu ‚befriedeten Bezirken’ erklären. Stattdessen wird den Eigentümern mitgeteilt, man müsse erst das Jagdrecht ändern. Warum trifft man nicht wenigstens vorläufig eine Regelung, die dem Straßburger Urteil Rechnung trägt? Ist es für die Jäger so schwer zu ertragen, wenn sie einige Tiere nicht mehr in Angst und Schrecken versetzen und hinterrücks abschießen können?“

Was jedoch bisher an Vorschlägen zur Änderung des Jagdrechts in die Öffentlichkeit drang, sei nicht geeignet, das Vertrauen in die Politiker und Behördenvertreter zu stärken, denn immerhin habe das Straßburger Urteil den Rang nationalen Rechts, so Hofer. Das Bundeslandwirtschaftsministerium etwa wolle grundsätzlich am alten Reviersystem festhalten, das der bekannte Evolutionsbiologe Prof. Josef Reichholf aus München jüngst als „ein Relikt aus der Feudalzeit“ bezeichnete, „denn es beinhaltet die Herrschaft des Jägers über den Grund und Boden anderer.“ (Der Spiegel, 2.7.12)

Das Landwirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz verkünde derweil im Schulterschluss mit diversen Jagdverbänden ein „Handlungsprogramm“ gegen das Schwarzwild, das jetzt sogar ganzjährig, also auch im Winter, „revierübergreifende Bewegungsjagden“ vorsieht. Offensichtlich versuche die Jägerlobby, mit diesen Massakern ihr Tötungshobby gegenüber gutgläubigen Laien zu rechtfertigen. „Fachleute wissen längst“, so Hofer weiter, „dass es die Jäger selbst waren, die das Anwachsen der Wildschweinbestände und vor allem deren Verbreitung selbst gefördert haben – zunächst durch massenweise Fütterung, und dann, in völliger Unkenntnis der biologischen Zusammenhänge, durch rücksichtsloses Abschießen der Leitbachen, wodurch die Sozialstrukturen zerstört und eine Explosion der Bestandes herbeigeführt werden. Die Statistik beweist, dass die Anzahl der Tiere im gleichen Umfang wie die Tötungszahlen steigt. Es gibt also nicht zu viele Wildschweine, sondern zu viele Jäger, die zu viele Tiere töten.“

Die angeblichen „Experten“ scheine es auch nicht zu kümmern, dass bei solchen Bewegungsjagden nicht nur die bejagten Wildschweine, sondern alle aufgestöberten Tiere Gefahr laufen, ihre Fettreserven zu verlieren, die sie im Winter dringend brauchen, oder dass z.B. Frischlinge führende Bachen nicht rechtzeitig erkannt und damit akut gefährdet werden. Und man nehme offensichtlich in Kauf, dass aufgrund der vermehrten Bewegung ein noch höherer Anteil an Tieren als bisher nur angeschossen werde und diese Tiere dann stunden- oder tagelang zu leiden haben.

Dass in dem „Programm“ aus Rheinland-Pfalz auch vor einer „Ausbreitung von Tierseuchen“ durch Wildtiere gewarnt wird, zeige zudem, dass den Jägern längst die Argumente ausgegangen seien. „Tierseuchen entstehen nicht im Wald, sondern in der Massentierhaltung“, so der Tierarzt Dr. Hansjörg Schilling. „Wer Seuchen bekämpfen will, sollte die tierquälerische Haltung unserer Mitgeschöpfe beenden – und die Wildtiere nicht durch ständigen Jagddruck noch krankheitsanfälliger machen. Die Behörden sollten dem endlich Rechnung tragen – und als ersten Schritt die Gewissenentscheidung von Grundstückseigentümern gegen die Jagd ohne Wenn und Aber respektieren.“

EU: Nobelpreis mit Beigeschmack

18.10.2012

„Die Natur wurde wieder mal vergessen!“

„Es mag ja sein, dass es eine politische Leistung ist, mehrere Jahrzehnte lang keine Kriege gegen Nachbarvölker zu führen – auch wenn dies eigentlich selbstverständlich sein müsste“, so Dr. Johannes Hofer, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international. „Noch größer wäre die Leistung der Europäischen Union allerdings gewesen, wenn sie auch den Krieg des Menschen gegen die Natur beendet oder zumindest eingeschränkt hätte. Davon kann aber keine Rede sein.“

Im Gegenteil: Der europäische Wohlstand beruhe zu einem nicht unerheblichen Teil bis heute auf rücksichtsloser Zerstörung natürlicher Ressourcen und Lebensräume rund um den Globus – und auch auf der Ausbeutung von Menschen in Entwicklungsländern. „Dass all diese Aspekte bei der Preisverleidung und auch bei der Würdigung in den Medien fast komplett ausgeblendet wurden, lässt tief blicken“, so Hofer weiter.

Die „Kollateralschäden“ der europäischen Wirtschaftspolitik seien fast unübersehbar. Dies beginne bei der Subventionierung einer brutalen Fischereiindustrie, die nicht nur den Kabeljau (in der Nordsee) und den roten Thunfisch (im Mittelmeer) fast ausgerottet habe, sondern 88 Prozent der europäischen Fischbestände permanent überfische. „Völlig überdimensionierte europäische Fangflotten fischen auch vor afrikanischen Küsten fast alles leer und treiben einheimische Fischer in den Ruin.“ Dies setze sich fort bei den Milliarden-Subventionen für eine ressourcenfressende industrialisierte Landwirtschaft und eine tierquälerische Massentierhaltung, für deren Futter immer weitere Regenwälder abgeholzt werden. Die Überschüsse werden dann – ebenfalls subventioniert – in Entwicklungsländer ausgeführt, wo sie einheimische Erzeuger ruinieren. „Die EU subventioniert direkt oder indirekt bis heute Monokulturen, ausgeräumte Landschaften, Lebensraumzerstörung und Artensterben, Pestizideinsatz, Erosion, Belastung des Trinkwassers mit Gülle, Verschwendung von Nahrungsmitteln für Treibstoff. und Stromerzeugung – und das alles mit unseren Steuergeldern.“

Fazit: „Wären die Tiere im Nobelkomittee vertreten gewesen, so hätte diese Union ganz sicher keinen Preis erhalten. Den müsste sie sich erst noch verdienen.“

Stoppt die Meeresfischer!

15.10.2012

Kabeljau vor deutschen Küsten ausgerottet


„Der Internationale Meeresrat hat im Oktober 2004 rechtzeitig gewarnt und allen Nordseeländern einen kompletten Fangstopp für Kabeljau empfohlen. Genützt hat es leider nichts. Genau acht Jahre später ist es nun soweit: Zumindest in den flacheren, südlichen Gewässern vor der deutschen und dänischen Küste ist der Kabeljau völlig ausgerottet.“ Mit diesen Worten kommentierte Dr. Hansjörg Schilling, Tierarzt und Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international eine Meldung der Welt am Sonntag („Tschau, Kabeljau!“, 30.9.12)

Auch die anderen Kabeljau-Bestände in der Nordsee sind demnach längst bedroht: „Seit dreizehn Jahren ist in der Nordsee kein großer, erwachsener Kabeljau mehr einem Fischer ins Netz gegangen, kein Exemplar, das älter ist als dreizehn Jahre“, so die Zeitung. „Für die europäische Union und auch für die reiche Industrienation Deutschland ist dies eine Kulturschande ersten Ranges“, so Schilling. „Ausgerechnet die europäischen Fischbestände sind zu 88 Prozent überfischt – das ist traurige Weltspitze!“

Den Friedensnobelpreis habe die Europäische Union also sicher nicht für die Förderung des Friedens zwischen Mensch und Natur erhalten. Statt weiterhin jährlich eine Milliarde Euro an Steuergeldern in Subventionen für die Fischereiindustrie zu stecken, sollte die EU endlich gegensteuern, Fangverbote erlassen und Meeresschutzgebiete ausweisen. Die zwei- bis dreifach überdimensionierte Fischereiflotte der EU nun auch die Gewässer vor Afrika leerfischen zu lassen, sei jedenfalls keine gute Lösung.

„Die deutschen und europäischen Behörden sollten die Bevölkerung darüber aufklären, dass Fische äußerst soziale Wesen sind, die Schmerzen empfinden wie wir Menschen auch. Und die Mediziner sollten endlich aufhören, längst überholte Ernährungsratschläge zu geben, also den Verzehr von Fisch oder Fischprodukten zu empfehlen.“ Sämtliche in Fischen enthaltenen Stoffe fänden sich in mindestens gleicher Dosis auch in pflanzlichen Nahrungsmitteln wieder. Bei Fischen aus dem Meer bestehe zudem die Gefahr, dass sie dort Umweltbelastungen wie z.B. Schwermetalle in sich aufgenommen haben. „Es wird Zeit, dass wir Menschen dem unendlichen Leid unserer Mitgeschöpfe, der Fische, ein Ende bereiten – indem wir sie nicht mehr verzehren.“

Absurde Forderung: "Ethikprüfung" für Jagdgegner

11.10.2012

Wo bleibt die „Ethikprüfung“ für Jäger?

„Das ist der absurdeste Vorschlag, den ich seit langem gehört habe. So kann man auf das Jagd-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte nicht reagieren.“ Dr. Johannes Hofer, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international schüttelt den Kopf über die bisher bekannten „Eckpunkte zur Jagdrechtsänderung“, die das Bundeslandwirtschaftsministerium vorgelegt hat. Darin ist vorgesehen, dass Grundstückseigentümer, die nicht wollen, dass auf ihrem Grundstück weiter gejagt wird, dafür „ethische Gründe“ anführen und eine „echte Gewissensbelastung“ glaubhaft machen müssen.

Die Financial Times Deutschland (ftd.de, 4.10.12) verglich dies mit der früheren „Gewissensprüfung“ für Kriegsdienstverweigerer, die seinerzeit bisweilen gefragt wurden: „Was tun Sie, wenn sie von einer Horde Russen angegriffen werden? Greifen Sie zur Waffe?“ Jetzt, so vermutet die Zeitung, werde die Frage an den Eigentümer wohl lauten: „Was tun Sie, wenn Sie von einer Horde Wildschweine angegriffen werden?“

„Obwohl die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger inzwischen die Jagd ablehnt, ist die Jägerlobby in der deutschen Politik noch immer unglaublich mächtig“, so Hofer. „Und sie versucht mit solch bizarren Vorschlägen offenbar, die Umsetzung des jüngsten Straßburger Urteils um jeden Preis zu torpedieren.“ Der europäische Menschengerichtshof (EGMR) hatte im Juni entschieden, dass auch in Deutschland Grundstücksbesitzer das Recht haben müssen, die Jagd auf ihrem Grundstück abzulehnen.

„Welche anderen Gründe als ethische soll ein Grundstücksbesitzer denn haben, wenn er auf seinem Land keine Jäger sehen will?“, fragt der Jurist und Tierschützer Hofer. „Es entgeht ihm dadurch schließlich die Jagdpacht. Und weshalb sollen ausgerechnet die Menschen ihre ethischen Überzeugungen darlegen, die das Leben der Tiere bewahren und ihnen Leid ersparen wollen – und nicht viel eher die Jäger, bei deren Treiben es nach Aussage des Jägers und Psychoanalytikers Paul Parin nicht zuletzt um die ‚Lust am Töten’ geht?

Um nichts an ihrem überkommenen Jagdsystem ändern zu müssen, malten die Jäger jetzt tausenderlei Gefahren an die Wand. Dabei übersähen sie aber die Gefahren, die von ihnen selbst ausgingen. Während von Wildtieren kaum Gefahr für den Menschen ausgehe, habe es gerade in den letzten Wochen zahlreiche Verletzungen und sogar Todesfälle gegeben, die Jäger ihren Kollegen oder unbeteiligten Zivilisten zufügten. „Das Jagdrecht muss geändert werden. Und zwar zu allererst, indem man das Urteil von Straßburg endlich umsetzt und den Grundstücksbesitzern ohne weitere Verzögerung ihr Menschenrecht zugesteht: die Jagd auf ihrem eigenen Grundstück zu untersagen. Ohne wenn und aber!“

Weil der Welt sonst das Wasser ausgeht:

7.9.2012

„Nur Vegetarier retten die Welt!“

„Man kann viel über Klimawandel, Biosprit oder Spekulation diskutieren. Doch wenn man den Welthunger verringern will, führt kein Weg daran vorbei: Wir müssen runter vom Fleischkonsum. Denn nur Vegetarier können die Welt noch retten.“ So lautet das Fazit zur aktuellen Nahrungsmittel-Lage von Dr. Johannes Hofer, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte. Und er stützt sich dabei auf Aussagen namhafter Experten.

Prof. Gernot Klepper, Leiter des Forschungsbereichs „Umwelt und natürliche Ressourcen“ am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, erklärte gegenüber der deutschen Tagesschau, die gegenwärtigen Preissteigerungen für Getreide auf dem Weltmarkt seien zwar durch Dürreereignisse ausgelöst worden, es gebe aber ein grundsätzliches „Strukturproblem“. Und das bestehe nicht hauptsächlich in der Energieerzeugung mit Pflanzen oder in Börsenspekulationen mit Agrarrohstoffen, sondern: „Fleischkonsum ist der zentrale Faktor.“ Der Futtermittelanbau beanspruche immer größere Flächen, die Nachfrage komme überwiegend aus Europa und Asien. Klepper sieht hier auch die Verantwortung Deutschlands: „ ...dass wir über die Futtermittelnachfrage weltweit bestimmte Flächen in Anspruch nehmen, auf denen auch Getreide angebaut werden könnte. Wenn wir das moralisch betrachten wollten, wäre hier der Hebel. Deutschland verbraucht etwa die doppelte Agrarfläche durch Importe, als es selbst produzieren kann.“

Gleichzeitig schlägt auch das Internationale Wasser-Institut in Stockholm Alarm: In den kommenden 40 Jahren müsse sich die Weltbevölkerung „fast vollständig auf eine vegetarische Ernährung umstellen, um Lebensmittelknappheit und Hunger zu vermeiden.“ Der Grund: Es werde schlicht nicht genügend Wasser für landwirtschaftliche Flächen geben, um eine wachsende Weltbevölkerung auch noch mit Fleisch zu versorgen.

„Die Politiker der reicheren Länder wie Deutschland sollten endlich aufwachen“, so Hofer. „Statt den Trend zu immer mehr Fleisch einfach hinzunehmen und die Agrar- und Fleischlobby weiter zu subventionieren, sollten sie der Bevölkerung reinen Wein einschenken: Der bei uns übliche Fleischkonsum ist nicht nur ungesund und mit Tierquälerei verbunden, sondern Fleisch ist angesichts von Welthunger und Klimakatastrophe ein absolutes Luxusgut, das nicht subventioniert, sondern im Gegenteil besteuert gehört. Die Regierung sollten endlich beginnen, für eine schmackhafte vegetarische Ernährung zu werben und kostenlos entsprechende Kochkurse anzubieten.“

Jagd ist tödlich - nicht nur für Tiere

12.9.2012

Jagd ist tödlich – nicht nur für Tiere

„Wer jetzt einfach zur Tagesordnung übergeht, der hat kein Herz – weder für Menschen noch für Tiere“. Mit diesen Worten kommentierte Dr. Johannes Hofer, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte international die erschreckende Häufung von Jagdunfällen in nur wenigen Tagen.

Zur Erinnerung: Am 8. September erschießt ein 51jähriger Jäger und Büchsenmacher einen 26jährigen Schreiner im oberfränkischen Schönwald früh um fünf direkt vor seinem Jägerstand, weil er ihn für ein Wildschwein hält. Eine Woche zuvor erschoss im belgischen Evelette ein Jäger seinen besten Freund, weil er ihn ebenfalls mit einem Wildschwein verwechselt hatte. Hinzu kam Ende August noch ein Jäger aus Liebenwalde in Brandenburg, der ein Pony auf der Weide erschoss, das für ihn ebenfalls wie ein Wildschwein aussah.

„Wenn jetzt in der Presse in zynischer Manier Stimmen zitiert werden mit der Frage, was der junge Mann früh um fünf im Maisfeld zu suchen hatte, so macht ihn das auch nicht mehr lebendig“, so Hofer. „Was muss eigentlich noch alles passieren, ehe wir dem blutigen Treiben in Wald und Flur ein Ende setzen?“ Woanders sei man hier schon weiter. Im Piemont in Italien wurde soeben die Jagd für ein Jahr ausgesetzt, weil so das oberste Gericht, die Auswirkungen der Jagd auf die Natur nicht genügend untersucht worden seien. Eine Studie aus der Schweiz stellte fest, dass Teile des Kantons Genf, in dem seit 1974 die Jagd ruht, inzwischen zu einem international bedeutenden Vogelschutzgebiet wurden. Eine Studie aus den USA bestätigte, dass sich durch die ständige Bejagung der Wapiti-Hirsche in den Rocky Mountains deren Gen-Pool dramatisch verändert hat: Es überleben fast ausschließlich langsame, vorsichtige Tiere – die aber nun eine leichte Beute z.B. für Wölfe werden können.

„Die Jagd gehört ins Museum“, so Hofer. Der Münchner Evolutionsbiologe Prof. Josef Reichholf habe schon vor Jahren festgestellt: „Die richtige Wilddichte könnte sich ganz von selbst einstellen, wenn die Tiere, wie z.B. das Reh, nicht durch Bejagung ... in den Wald hineingedrängt würden.“ Dann würden auch die Verbissschäden abnehmen und der Mensch hätte wieder Chancen, Tiere aus nächster Nähe zu beobachten. „Die Bevölkerung will die Jagd längst nicht mehr“, so Hofer. „Wie lange wollen es die Politiker noch zulassen, dass eine kleine uneinsichtige Minderheit mitten in unserer Kulturlandschaft ihrem blutigen Treiben nachgehen kann?“

Statt Tierquälerei: Fleischkonsum vermindern!

22.8.2012

Tierschutzverein „Leben bewahren“ fordert:
Statt Tierquälerei: Fleischkonsum vermindern!

„Panzer an den Golf, Atomkraftwerke nach China, Hühnerquälkäfige in die Ukraine – die deutsche Bundesregierung ist auf dem besten Wege, den letzten Rest an Glaubwürdigkeit in der Welt zu verspielen. Damit bekommt der Begriff ‚Exportweltmeister’ einen ausgesprochen zynischen und unappetitlichen Beigeschmack. Und das unter einer angeblich ‚christlichen’ Regierung.“ Mit diesen Worten fasste Dr. Johannes Hofer, Vorstandsmitglied des Vereins Leben bewahren – Die Organisation zum Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Reche international e.V., die aktuelle Situation zusammen.

„Vor zehn Jahren hat der deutsche Bundestag den Tierschutz als Verfassungsziel ins Grundgesetz aufgenommen. Wenn nun Wirtschaftsminister Philipp Rösler – Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken – es zulässt, dass sein Ministerium Exportbürgschaften für den Bau von Hühnerkäfigen in der Ukraine übernimmt, so missachtet er diese Verfassungsänderung und damit das Grundgesetz“, analysierte der Jurist Dr. Hofer. Obwohl die Käfighaltung in der Europäischen Union verboten sei, in Deutschland bereits seit zwei Jahren, unterstütze eine deutsche Regierung den Bau von weiteren Käfigen, in denen dann auf grauenhafte Weise rund um die Uhr fünf Millionen (!) Hühner gequält werden sollten.

Fast zeitgleich übernehme die Regierung auch für den Bau neuer Atomkraftwerke z.B. in China Exportbürgschaften, obwohl die Bundesrepublik längst den Ausstieg aus der atomaren Energieerzeugung beschlossen habe. „Auch hier wird Leben nicht bewahrt, sondern millionenfach riskiert“, so Hofer. „Und es entsteht in der Welt der Eindruck, als ob Deutschland nach der Maxime handle: Hauptsache der Euro rollt – alles andere ist uns egal.“ Dies gelte auch für die jüngsten Rüstungsexporte in Staaten, in denen die Achtung der Menschenrechte zumindest fraglich erscheine.

„Statt mit deutschen Steuergeldern Tierquälerei zu fördern, sollte eine Regierung, die nachhaltige und ethisch verantwortliche Visionen für die Zukunft umsetzen will, lieber nach Wegen suchen, den Fleischkonsum insgesamt zu vermindern – denn dieser ist nicht nur äußerst klimaschädlich, sondern auch ungesund und führt unweigerlich zu Tierquälerei. Ein erster Schritt wäre, dafür zu sorgen, dass die Fleischproduktion keinerlei staatliche Subventionen mehr erhält.“

Neuer Verein: „Leben bewahren“

22.8.2012

„Wir alle haben denselben Atem“


„Wenn es den Tieren gut geht, dann geht es auch uns Menschen gut.“ In diesem Satz lässt sich der Grundgedanke eines neuen Vereins zum „Schutz von Umwelt, Natur und Tieren und ihrer Rechte“ zusammenfassen, der im Sommer 2012 im unterfränkischen Marktheidenfeld gegründet wurde. Der eingetragene Verein trägt den Namen: „Leben bewahren“.

„Das Neue an diesem Verein ist der grundlegende Ansatz“, erklärt Vorstandsmitglied Dr. Johannes Hofer. „Umwelt-, Natur- und Tierschutz befasst sich bisher meist mit Teilaspekten: Tiere werden z.B. in Naturschutzgebieten vor dem Zugriff des Menschen geschützt – doch darum herum werden ihre Lebensräume weiter zerstört. Verwaiste Haustiere werden gepflegt und weiter vermittelt – doch daneben leiden ‚Nutztiere’ unsäglich in der intensiven Massentierhaltung. Viele Natur- und Tierschutzvereine leisten hervorragende Arbeit in unzähligen Projekten, die wir auch nach Kräften unterstützen. Doch was nützt es, wenn z.B. den Tieren in der Massentierhaltung der Europäischen Union nach großem Kampf minimale Erleichterungen verschafft werden, doch die Quälereien dann in anderen Ländern, etwa in der Ukraine, mit noch größerer Brutalität weitergeführt werden?“

„Deshalb gehen wir den Dingen auf den Grund“, ergänzt Dr. Gert-Joachim Hetzel, wie Hofer Jurist und mit der Tierschutzproblematik seit langem vertraut. „Es kann nicht sein, dass nur der Mensch ein Lebensrecht hat und sich anmaßt, alles um ihn herum zu zerstören und zu missbrauchen, wie es ihm gerade passt. Wir setzen uns dafür ein, dass die Rechte der Tiere als Teil der göttlichen Schöpfung Anerkennung finden in den Verfassungen der jeweiligen Länder. Wir wollen erreichen, dass überhaupt keine Tiere mehr mutwillig getötet werden. Und wer Fleisch isst, lässt Tiere töten. Es soll erreicht werden, dass die Tiere ihrer Art entsprechend in Freiheit leben und sich entfalten können, ohne Angst haben zu müssen, verfolgt und gequält zu werden, so, wie es ihrer als von Gott geschaffener Wesen würdig ist.“

„Weshalb gibt es denn so viele Massenmastbetriebe?“, fragt Dr. Hansjörg Schilling, Tierarzt mit langjähriger Berufserfahrung. „Die sind doch nur entstanden, weil die Masse der Menschen sich noch immer massenweise mit Fleisch mästet. Hier wollen wir ansetzen. Gefragt ist der aktive Einsatz für die Achtung und Bewahrung der gesamten Natur und ihrer vielfältigen Lebensräume als unserer gemeinsamen Umwelt. Tiere haben denselben Atem wie wir Menschen. Wir wollen alle atmen. Wie fühlen wir uns, wenn uns jemand den Atem nehmen will? Mensch, Natur und Tiere existieren nicht getrennt voneinander, sondern sie können nur gemeinsam und miteinander auf unserem Planeten Erde überleben. Das Ziel ist der friedvolle Umgang zwischen Mensch, Natur und Tieren, der letztlich zu einer bewussten Symbiose führt.“

Der Verein hat zum Ziel, so der Mediziner Dr. Christo Obreschkow, das Bewusstsein für diese Zusammenhänge zu schärfen. „Die wenigsten Menschen machen sich bewusst, welch dramatische Folgen allein die industrielle Massentierhaltung für unseren Planeten hat: Sie verbraucht mehr Energie und produziert mehr Treibhausgase als der gesamte Verkehr auf der Welt; für den Anbau von Futtermitteln werden ganze Regenwälder abgeholzt; Gülle vergiftet das Grundwasser und die Abluft schädigt die Gesundheit der Menschen.“ Doch gezielte Aufklärung allein genüge nicht: „Wir treten darüber hinaus dafür ein, dass bei uns Menschen eine positive Verbindung zur gesamten Natur als Schöpfung Gottes wächst und dass Menschen ihr mit Hilfe und Fürsorge entgegen kommen, dass sie ihr Achtung, Wertschätzung und Freundschaft in Gefühlen, Gedanken und in der selbstlosen Tat entgegen bringen.“

„Was der Mensch der Natur und den Tieren antut, fällt letztlich wieder auf ihn zurück“, so Dr. Obreschkow weiter. „Immer mehr Menschen machen die Erfahrung, dass es ihnen wesentlich besser geht, wenn sie sich vegetarisch ernähren. Sie empfinden es nicht als ‚Verzicht’, sondern es befreit Körper und Seele von völlig unnötigen Belastungen. Deshalb ist es eines der Anliegen unseres Vereins, einem breiten Publikum die Möglichkeiten einer schmackhaften ‚vegetarischen Volksküche’ bekannt zu machen.“

Friede zwischen Mensch, Natur und Tieren – so neu ist das gar nicht. Der Verein „Leben bewahren“ hat an den Beginn seiner Satzung einige Sätze aus einer uralten und doch hochmodernen Vision gesetzt: „Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. ... Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf Meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so, wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.“ Diese Sätze stammen vom Gottespropheten Jesaja und sind 2700 Jahre alt.