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Ist Gott "Vegetarier"? Natürlich!

Die Forderung der Grünen, in öffentlichen Kantinen einen fleischlosen Tag einzuführen, rief bemerkenswerte Reaktionen von Kirchenvertretern hervor. Man habe ja schon seit 2000 Jahren einen “Veggieday”, sagte der Sprecher der deutschen Bischofskonferenz, und das sei der Freitag. Einige katholische Webseiten berichteten hingegegn unter der Überschrift “Gott ist kein Vegetarier” über die Äußerungen eines katholischen Theologen, beim sogenannten Freitagsgebot gehe es gerade nicht um Vegetarismus.

Die Kirche zeigt mit solchen Äußerungen nur, dass sie für die Tiere nichts ürig hat. Gott ist der Schöpfer der gesamten Natur. Wie kann Er, der liebende Vater, wollen, dass Seine Naturgeschöpfe ausgerechnet von Seinen Menschenkindern gequält und aufgegessen werden? Die ersten Christen achteten die Natur; sie lebten gewaltfrei und vegetarisch. In einem Punkt hat der Theologe aber recht: Das “Freitagsgebot” hat tatsächlich nichts mit Vegetarismus zu tun. Denn die Kirche erlaubt an diesem Tag das Essen von Fischen - und die sind schließlich auch Gottesgeschöpfe, die Gefühle wie Schmerz und Angst empfinden. Historisch gesehen hat dieses Gebot aber auch nichts mit der Kreuzigung Jesu an einem Freitag zu tun. Es geht zurück auf die Verehrung der heidnischen Liebesgöttin Venus, an derem Wochentag, dem Freitag (franz. vendredi = Venustag) in der Antike bevorzugt ihr Symboltier, der Fisch, gegessen wurde.Dies ausgerechnet dem Nazarener, die die Tiere liebte, in die Schuhe zu schieben, zeigt, wem die Kirche in Wahrheit dient.

Und einige kirchlich geprägte Politiker springen gleich auf den Zug mit auf. “Leute, die wissen müssen, wann sie Fleisch essen dürfen und wann nicht, die brauchen nicht CDU zu wählen”, sagte die Pfarrerstochter Angela Merkel in Wiesbaden. Als ob Leute, die wissen, dass Tiere eine Seele haben und wir sie daher nicht schlachten und verzehren solten, nicht ohnein längst wüssten, dass sie die CDU nicht zu wählen brauchen.

“Auf das Recht jeden Tag und überall Fleisch essen zu können, will die Mehrheit nicht verzichten”, schreibt dazu die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (18.8.13). “Nahezu die gleiche Mehrheit empört sich seit Jahren über die Verhältnisse in der Tierindustrie. Dioxin in Eiern, resistente Bakterien auf Schweinefleisch, Pferdefleisch in der Lasagne – ein Skandal reiht sich an den nächsten …”

Haiti will keine Gentechnik

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Danaergeschenk und einem trojanischen Pferd?

Gar keiner! Das trojanische Pferd war ein Geschenk der griechischen Belagerer, die auf Lateinisch auch Danaer genannt wurden, an die Bewohner der Stadt Troja.

Vielen Dank! Ich war nämlich noch im Zweifel, wie ich das nennen soll, was kürzlich den Haitianern passiert ist. Jetzt weiß ich, dass ich mir umsonst Gedanken gemacht habe: Es trifft beides zu!

Und was ist da passiert, wenn man fragen darf?

Ein US-amerikanischer Saatgutkonzern hat im Juni 2010 dem Staat Haiti, der bekanntlich vor einem halben Jahr durch ein Erdbeben schwer zerstört wurde, ein Geschenk gemacht: 475 Tonnen Saatgut, hauptsächlich Mais. Alles kostenlos!

Na wunderbar! Die Leute haben schließlich Hunger! Und was ist jetzt das trojanische daran?

Alles genmanipuliert!

Und? Haben die Haitianer das trojanische Pferd in die Stadt gezogen und sich gefreut?

Jedenfalls nicht alle. 12 000 wütende Bauern sind auf die Straße gegangen und haben symbolisch einen Teil des Saatguts verbrannt. Alles wolle man nicht verbrennen, haben sie gesagt, denn das würde nur die Luft verpesten.

Alle Achtung! In dieser verzweifelten Lage soviel Widerstand! Das ist eine Leistung!

Das mit dem Verpesten haben sie übrigens wörtlich gemeint. Nach Erkenntnissen der amerikanischen Umweltschutzagentur EPA ist das Saatgut mit einem Fungizid behandelt, das giftig ist.

Aber ich nehme an, das Wichtige war für die Bauern die drohende Abhängigkeit von einem Saatgut, das sich nicht selbst weitervermehren lässt und daher immer wieder neue gekauft werden muss.

Und man braucht speziellen Dünger dazu. Außerdem ist der Markt für genmanipuliertes Getreide weltweit noch immer begrenzt, weil z.B. die Europäer es nicht wollen.

Da kann man nur sagen: „Ich fürchte die Danaer, selbst wenn sie Geschenke bringen.“

Wer war jetzt das?

Vergil. Man könnte auch sagen: Bewahre dir ein gesundes Misstrauen gegen die, die Geschäfte machen wollen, indem sie die Schöpfung manipulieren.

Denn wer die Schöpfung manipuliert, der schreckt auch nicht davor zurück, den Menschen zu manipulieren. Auch wenn es bisher noch nicht immer gelingt.

Wertvolle Rohstoffe

Mein Handy ist schon wieder kaputt, ich glaub ich brauch ein neues.

Und was machst du mit dem alten?

Das muss ich dann wohl wegwerfen.

Würd ich nicht tun. Ist viel zu wertvoll.

Wertvoll? Wenn`s nicht mehr funktioniert?

Aber es hat immer noch Coltan, Palladium Silber, Kupfer und Gold drin.

Gold auch? Du meinst, ich kann damit reich werden?

Nicht direkt. In einem einzelnen Mobiltelefon gibt es immer nur verschwindend geringe Mengen von diesen Rohstoffen. Aber es gibt extra Firmen, die aus vielen alten Händis die Metalle herauslösen. Das rentiert sich dann, da kommt z.B. Gold kiloweise zum Vorschein. Der Kölner Zoo sammelt schon alte Händis, um mit dem Erlös daraus ein Gorilla-Projekt im Kongo zu unterstützen.

Stimmt, ich hab mal gelesen, dass manche dieser Rohstoffe, z.B. Coltan, die in unseren Handys drin sind, im Kongo abgebaut wurden, unter erbärmlichen Arbeitsbedingungen, und dass die vielen Rohstoffe dort kein Segen, sondern ein Fluch sind, nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Tiere und den Regenwald.

Mit den Erlösen aus Coltan oder auch Diamanten werden in Afrika ganze Bürgerkriege finanziert, und das seit Jahrzehnten. Die Bevölkerung Angolas oder Nigerias hat nichts vom Ölreichtum, im Gegenteil: Die Natur wird vielerorts verwüstet, weil die Konzerne das Land rücksichtslos ausbeuten, und bereichern tut sich daran nur eine schmale einheimische Elite.

Ich hab so das Gefühl, der Wettlauf um die letzten Rohstoffe der Erde hat längst begonnen. Und er spielt in der Politik eine viel größere Rolle, als man zugibt. Nur ab und zu sickert etwas durch. Neulich konnte man ja lesen, dass es in Afghanistan eine Fülle wertvoller Rohstoffe gibt. Sieh an, hab ich mir da gedacht: Hat der zurückgetretene deutsche Bundespräsident Köhler doch was Wahres ausgeplaudert, als er sinngemäß sagte, man müsse notfalls auch mit Militär Handelswege sichern.

Und in Australien ist neulich eine ganze Regierung zurückgetreten, weil sie sich mit den großen Bergbaukonzernen angelegt hat. Auch das wurde in der Presse hier bei uns nicht richtig wahrgenommen. Der Premierminister Kevin Rudd wollte eine 40-prozentige Steuer auf die Gewinne der mächtigen Konzerne einführen, um das Geld dem Gemeinwohl zukommen zu lassen. Doch die Konzerne drohten einfach damit, in Australien nichts mehr zu investieren, und die Regierung musste gehen.

Wieder ein Beweis dafür, wer in der Politik eigentlich die Fäden zieht: auf jeden Fall nicht die Politiker. Die Frage ist nur, wie lange unsere Mutter Erde diese rücksichtslose Ausbeutung allein nach Profitgesichtspunkten noch durchhält. Man muss sich das mal vorstellen: In Südafrika baut man immer noch Gold ab: in 4000 Meter Tiefe! Da unten ist es bereits 50 Grad heiß. Und aus einer Tonne Gestein, die man da nach oben zerrt, gewinnt man gerade mal 5 Gramm Gold!

Schon verrückt, was der Mensch alles anstellt, wie er ganze Landschaften umwühlt, weil er glaubt, er müsse das jetzt unbedingt haben. Und auf der anderen Seite wird dann aus Erdöl Plastik hergestellt, das am Ende als Plastikmüll in unvorstellbaren Mengen in den Meeren landet und sich dort in riesigen Strudeln ansammelt, in denen es dann längst viel mehr Plastik als Plankton gibt. Fische und Seevögel gehen daran elendiglich zugrunde.

Warum wird so viel Nahrung weggeworfen?

Stellen wir uns mal vor, die Weltbevölkerung wäre ein Dorf von hundert Menschen.

Alle an einem Ort?

Genau. Dann gäbe es in diesem Dorf z.B. 12 Computer, 13 Autos und 68 Handys.

Und wie viele hungern?

Von den 100 Menschen hungern 14, und 24 sind übergewichtig.

Und das alles in einem Dorf, direkt nebeneinander. Das wäre sicher konfliktreich und spannungsgeladen.

Ja, und jetzt stellen wir uns vor: Die 24 Übergewichtigen, die werfen auch noch vierzig Prozent von dem, was sie an Nahrung zur Verfügung haben, weg. Vor den Augen der Hungernden!

Ein echter Skandal! Aber sag mal: Die Zahl hast du doch jetzt erfunden, die kann doch nicht stimmen! 40 Prozent!

Doch. Man dachte lange Zeit 30 Prozent. Aber die Zahlen sind schwer zu ermitteln. Niemand redet gerne darüber. US-amerikanische Forscher haben jetzt neu nachgerechnet.

Sie haben das Durchschnittsgewicht der Amerikaner und die Gewichtszunahme mit den verkauften Lebensmitteln verglichen. Und da kamen fast 40 Prozent Verlust raus. Lebensmittel, die nicht gegessen, sondern weggeworfen werden. In anderen Industrieländern sieht es nicht viel besser aus.

In dem Film „We feed the world“ kann man sehen, dass das Brot, das in Wien weggeworfen wird, ausreichen würde, um die Stadt Graz mit Brot zu versorgen.

Der amerikanische Buchautor Tristram Stuart hat in einem Buch festgestellt, dass man mit dem Essen, das weltweit weggeworfen wird, die Hungernden der Erde siebenmal satt bekommen würde.

Und wer wirft das alles weg? Die Supermärkte?

Die sind mit beteiligt. Sie wollen ihre Regale immer voll haben, auch am Abend. Nach Ladenschluss wird dann vieles weggeworfen. Aber der Löwenanteil entfällt auf die Verbraucher.

Lass mal überlegen. Du meinst Leute, die am Wochenende groß einkaufen und dann doch ins Restaurant gehen. Oder solche, die nur das Mindesthaltbarkeitsdatum anschauen, obwohl das Lebensmittel vielleicht doch noch essbar ist.

Zum Beispiel. Man schätzt, dass 10 Prozent der Lebensmittel, die in Deutschland eingekauft werden, ungeöffnet im Müll landen.

Das macht mich jetzt doch nachdenklich. Da stimmt doch was nicht an unserer Einstellung, an der Wertschätzung für die Mutter Erde, die das letztlich alles hervorgebracht hat.

Vielleicht ist es auch ein Qualitätsproblem. Alles muss immer billig sein und sofort verfügbar. Man könnte ja auch etwas mehr ausgeben für ein gutes Brot z.B., das dann mehrere Tage haltbar ist. Sonst verschwenden wir ja nicht nur Nahrung, sondern auch jede Menge Energie und belasten das Klima zusätzlich. Wenn sich das nicht mal irgendwann rächt.

Früher, als es weniger gab, da war man erfinderisch. Da hat die Oma aus Brotresten eine schmackhafte Suppe gekocht. Der Bäcker hat das Brot vom Vortag günstiger verkauft, oder es dem neuen Sauerteig zugesetzt. So was macht ein Supermarkt natürlich nicht.

Also, wenn man die Augen offen hält, findet man solche Lösungen auch heute wieder. Ich finde es gehört einfach zum Anstand und Benehmen gegenüber der Mutter Erde, die uns ernährt, dass wir mit ihren Schätzen gewissenhaft umgehen. Dass wir uns bewusst machen, was wir essen, wo es herkommt, wie es angebaut wurde. Dann bekommen wir wieder mehr Respekt.

Da fällt mir übrigens noch was ein.

Was denn?

In deinem Dorf mit den hundert Menschen. Wieviele davon sind eigentlich Vegetarier?

Ich würde mal schätzen: so ungefähr 15, drei davon allein in Indien.

Das könnte nämlich auch ein Punkt sein. Wenn sich ein Fleischesser jedes Mal bewusst machen würde, wo seine Nahrung herstammt und wie das Tier gehalten und wie es genau umgebracht wurde, dann würde er vermutlich schlaflose Nächte haben. Dann wird er es lieber verdrängen.

Vielleicht sind viele Menschen einfach abgestumpft und machen sich über all das lieber keine Gedanken.

Ist eigentlich klar: Anstand, Benehmen, Ethik, Moral und Stil. Wenn wir das gegenüber den Tieren haben, dann haben wir’s auch gegenüber unserer Nahrung.